Wer am Strassenverkehr teilnimmt, muss die Geschwindigkeit den Umständen anpassen und die signalisierten Höchstgeschwindigkeiten einhalten. Verstösse erhöhen nicht nur das Unfallrisiko, sondern können auch rechtliche Folgen haben. Die wichtigsten Regeln und Konsequenzen im Überblick.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Geschwindigkeit muss immer den Umständen angepasst werden.
- Signalisierte Höchstgeschwindigkeiten dürfen nicht überschritten werden.
- Höchstgeschwindigkeiten dürfen nur dann ausgefahren werden, wenn die Strassen-, Verkehrs- und Sichtverhältnisse dies zulassen.
- Geschwindigkeitsverstösse können zu Bussen, Führerausweisentzug oder Freiheitsstrafen führen.
- Wer einen Unfall verursacht, muss unter Umständen mit versicherungsrechtlichen Folgen rechnen.
Gesetzestext
Gemäss Art. 32 Abs. 1 Strassenverkehrsgesetz SVG ist die Geschwindigkeit stets den Umständen anzupassen. Dazu gehören die Besonderheiten von Fahrzeug und Ladung sowie die Strassen-, Verkehrs- und Sichtverhältnisse. Fahrzeuglenkende dürfen zudem nur so schnell fahren, dass sie innerhalb der überblickbaren Strecke anhalten können (Art. 4 Abs. 1 Verkehrsregelnverordnung VRV). Wo das Kreuzen schwierig ist, muss man auf halbe Sichtweite anhalten können.
Sanktionen und Administrativmassnahmen für Geschwindigkeitsüberschreitungen sind in verschiedenen Artikeln des SVG geregelt.
Welche Umstände meint das Gesetz?
Zu berücksichtigen sind insbesondere:
- Strassenverhältnisse (z. B. Schnee, Eis oder Regen)
- Verkehrsverhältnisse (z. B. dichter Verkehr oder unübersichtliche Situationen)
- Sichtverhältnisse (z. B. Dunkelheit oder Nebel)
Auch persönliche Umstände wie mangelnde Fahrerfahrung oder ungenügende Fahrzeugkenntnisse können relevant sein (Bundesgerichtsurteile 6B_863/2017 und BGE 101 IV 67).
Was bedeuten die Höchstgeschwindigkeiten?
Die signalisierten Höchstgeschwindigkeiten sind absolute Höchstwerte. Sie dürfen auch dann nicht überschritten werden, wenn die Verhältnisse günstig erscheinen.
Gleichzeitig gilt: Die signalisierten Höchstgeschwindigkeiten dürfen nicht unter allen Umständen ausgefahren werden. Verlangen es die Umstände (siehe oben), muss die Geschwindigkeit reduziert werden, auch wenn das Tempolimit eine höhere Geschwindigkeit zulassen würde – z. B., wenn es schneit.
Was sind die Folgen von Geschwindigkeitsüberschreitungen?
Strafrechtliche Folgen
Je nach Schwere des Verstosses kommen folgende Sanktionen in Betracht:
- Ordnungsbusse (bis CHF 260.–)
- Busse im Strafverfahren (bis CHF 10 000.–)
- Geldstrafe oder Freiheitsstrafe
- Freiheitsstrafe bei einem Raserdelikt
Administrativrechtliche Folgen
Das Strassenverkehrsamt prüft zusätzlich Administrativmassnahmen. Diese hängen von der Schwere des Verstosses und allfälligen Vorbelastungen ab:
- Verwarnung
- Führerausweisentzug auf bestimmte Zeit
- Führerausweisentzug auf unbestimmte Zeit
- Fahreignungsuntersuchung bei besonders schweren Fällen
Versicherungsrechtliche Folgen
Wer durch zu hohe Geschwindigkeit einen Unfall grobfahrlässig verursacht, muss damit rechnen, dass die Versicherung Geld zurückfordert. Dieses Rückforderungsrecht wird als Regress bezeichnet.
Die BFU hat alle Sanktionen in einer Tabelle zusammengefasst.
[h3] Was passiert, wenn mein Auto geblitzt wurde, ich aber nicht am Steuer sass?
Bei Geschwindigkeitskontrollen gilt die Halterhaftung. Das heisst, zunächst wird die Fahrzeughalterin oder der Fahrzeughalter angeschrieben. Im Bereich der Ordnungsbussen kann die Halterin oder der Halter:
- Die Busse selbst bezahlen
- Die tatsächlich fahrende Person nennen oder
- Nachweisen, dass das Fahrzeug gegen den eigenen Willen benützt wurde
- Wer tatsächlich gefahren ist, bleibt grundsätzlich für die Widerhandlung verantwortlich.
Welche Bedeutung haben die Regeln und Sanktionen zur Geschwindigkeit für die Verkehrssicherheit?
Geschwindigkeitsunfälle zählen zu den schwerwiegendsten. Die geltenden Regeln und drohenden Sanktionen sind zentral, um Unfälle aufgrund von überhöhter Geschwindigkeit zu verhindern.
Beispiele aus der Praxis
Grobe Verkehrsregelverletzung
Ein Autofahrer fuhr ausserorts mit 143 km/h statt der erlaubten 80 km/h. Das Bundesgericht verurteilte den Fahrer zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 12 Monaten sowie einer Busse von CHF 2000.–. Diese Strafe sei angesichts der Umstände (nicht richtungsgetrennte Fahrbahn, Hecken und eine Wegeinmündung) sowie in Anbetracht des besonders krassen Geschwindigkeitsexzesses gerechtfertigt (6B_931/2019).
Vorsorglicher Führerausweisentzug
Ein Autofahrer überschritt auf einer Ausserortsstrasse die signalisierte Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h um mindestens 73 km/h. Das Bundesgericht beurteilte sein Verhalten als besonders rücksichtslos und gefährlich. Es bestätigte den vorsorglichen Führerausweisentzug und die Abklärung der Fahreignung (Bundesgerichtsurteil 1C_658/2015).
Mehr Informationen
Mehr zum Thema Geschwindigkeit finden Sie in unserem Ratgeber «Geschwindigkeit im Strassenverkehr» sowie in der Sammlung von Gerichtsentscheiden auf der BFU-Website. Einfach im Suchfeld «Geschwindigkeit» eingeben.