Wer sich im Schweizer Strassenverkehr bewegt, kennt die entsprechenden Verkehrsregeln. Zumindest mehr oder weniger. Aber warum genau gibt es die Regeln und Gesetze? Und wie sorgen sie für Sicherheit? Welche Arten von Regeln und Konsequenzen gibt es? Ein Überblick, wie Recht für Sicherheit sorgt.
Das Wichtigste in Kürze
- Regeln im Strassenverkehr schützen vor Unfällen.
- Es gibt generelle Regeln, die alles auffangen, was nicht im Detail geregelt ist.
- Gefährliches Verhalten im Strassenverkehr hat Konsequenzen: Rechtliche, finanzielle, soziale und weitere.
- Die Versicherung zahlt nicht immer alles.
Gesetzestext: Wieso gibt es Regeln im Strassenverkehr?
Die rechtlichen Regelungen sollen Unfälle reduzieren und die Verkehrsteilnehmenden schützen. Die Regelungen legen verschiedene Mindestanforderungen für das gemeinsame Miteinander und das sichere Fahren im Strassenverkehr fest. Die Grundlage dafür bildet das Strassenverkehrsgesetz (SVG), das in der Verkehrsregelnverordnung (VRV) und weiteren Erlassen konkretisiert wird.
Welche Arten von Regeln gibt es?
Es gibt verschiedene Arten von Regeln im Strassenverkehr:
- Konkrete Regeln, die einen einzelnen Aspekt der Verkehrsteilnahme definieren, z. B. eine bestimmte Höchstgeschwindigkeit.
- Generelle Regeln, die alles andere auffangen und unter Strafe stellen, was nicht im Detail geregelt werden kann. So muss man beispielsweise die Geschwindigkeit den Strassen-, Verkehrs-, Sicht- und Wetterverhältnissen anpassen (Art. 32 SVG). Das bedeutet u. a., dass man die geregelte Höchstgeschwindigkeit nur bei optimalen Bedingungen auch tatsächlich fahren darf. Ignoriert man diese generellen Regeln, drohen rechtliche Konsequenzen (Beispiel).
Welche Bedeutung haben Verkehrsregeln im Strassenverkehr?
Gefährliche Verhaltensweisen werden bestraft und haben bei einem Unfall nicht nur rechtliche und finanzielle Konsequenzen:
- Rechtliche Folgen: Strafe (z. B. Freiheitsstrafe) oder verwaltungsrechtliche Sanktion (z. B. Führerausweisentzug, Einziehen des Fahrzeugs)
- Finanzielle Folgen: z. B. Busse, Verfahrenskosten, Schadenersatz und Genugtuung, versicherungsrechtliche Folgen (z. B. Regress, Kürzung der Krankentaggelder)
- Soziale Folgen: z. B. Arbeitsplatzverlust, Ansehen, Mobilitätseinbussen
- Direkte Unfallfolgen: z. B. Verletzung, körperliche oder psychische Einschränkungen
Die Sanktionen nach Verletzung der Verkehrsregeln sollen deshalb unter anderem deutlich machen, dass man sich im Strassenverkehr gefährlich verhalten hat. Das soll einerseits generalpräventiv wirken, also dazu führen, dass sich möglichst viele Menschen an die Regeln halten und dass Sicherheit im Strassenverkehr gewährleistet ist (sog. Generalprävention). Andererseits sollen die Betroffenen nach einer Sanktion zum Nachdenken angeregt werden, damit nicht wiederholt gegen die Verkehrsregeln verstossen wird (sog. Spezialprävention).
Die Bedeutung der Verkehrsregeln für die Unfallprävention ist klar: Indem die rechtlichen Regeln verschiedene Mindestanforderungen für das gemeinsame Miteinander und das sichere Fahren auf den Strassen festlegen, sorgen sie für mehr Sicherheit.
Wenn sich alle an die Verkehrsregeln halten, steigert das die Verkehrssicherheit massiv. So sank z. B. mit der Einführung der Gurtentragpflicht die Zahl der Todesfälle im Strassenverkehr – obwohl die Zahl der Fahrzeuge stark gestiegen ist. Als man die Gurtentragpflicht für kurze Zeit wieder aufhob, stieg auch die Zahl der Todesfälle wieder. Auch wenn man das nur in Tendenzen ausdrücken kann: Die Gurtentragpflicht hatte wahrscheinlich einen äusserst positiven Effekt.
Beispiel aus der Praxis
Max Muster fuhr mit einer Geschwindigkeit von bis zu 121 km/h innerorts durch eine 50er- und 60er- Zone. Die Strasse war nicht richtungsgetrennt, mit Trottoir und stark verschmutzt. Es war dunkel. Die Umstände machen dieses Raserdelikt noch rücksichtsloser und gefährlicher für die anderen Verkehrsteilnehmenden. Es kam zu einer Kollision: Beide Fahrzeuge erlitten einen Totalschaden. Max Muster selbst sowie zwei der drei Insassen des einbiegenden Fahrzeugs wurden leicht verletzt.
Max Muster wird zu einem Jahr bedingter Freiheitsstrafe verurteilt, dazu kommen eine Busse von CHF 1500.– und die Verfahrenskosten, die er bezahlen muss. Er bekommt einen Eintrag in das Strafregister. Der Führerausweis wird ihm für 2 Jahre entzogen. Es wird ausserdem ein verkehrspsychologisches Gutachten erstellt, um zu sehen, ob er überhaupt geeignet ist, ein Fahrzeug zu führen. Fällt dieses negativ aus, verliert er den Führerausweis auf unbestimmte Zeit oder je nach vorherigen Verurteilungen sogar für immer. Zusätzlich fordert die Versicherung einen Teil ihrer Leistungen von Max Muster zurück (vgl. Video Regress). Die Kosten hätten jedoch auch noch deutlich höher ausfallen können (z. B. langfristige Pflegekosten, Arbeitsausfall, Versorgerschaden). In seinen Versicherungsleistungen ist ausserdem sein eigener Teil des Sachschadens nicht gedeckt – er zahlt den Totalschaden am eigenen Auto selbst. Da Max Muster beruflich auf seinen Führerausweis angewiesen ist, verliert er auch seine Arbeitsstelle. Er fragt sich ab und zu, wie er es verkraftet hätte, wenn jemand wegen ihm gestorben wäre. (Tatbestand, Strafe und Massnahme entsprechen Bundesgerichtsentscheid 1C_158/2024 Urteil vom 14. März 2025. Der Rest wurde zur Veranschaulichung ergänzt).
Mehr Informationen
Tipps zu sicherem Verhalten im Strassenverkehr gibt es auf den folgenden Seiten von bfu.ch:
• Auto fahren
• Motorrad fahren
• Mit Velo und E-Bike unterwegs
• Zu Fuss im Strassenverkehr
• Trottinett fahren, skateboarden und Co.