Nach geltendem Gesetz (in Kraft seit 1.1.2013) dürfen Kinder vor dem vollendeten sechsten Altersjahr auf Hauptstrassen nur unter Aufsicht einer mindestens 16 Jahre alten Person Rad fahren (Art. 19 Abs. 1 SVG). Sie müssen die Pedale treten können (Art. 42 Abs. 1 VRV). Für die übrigen Strassenkategorien ist kein gesetzliches Mindestalter mehr vorgeschrieben.

Kinder, die nicht mit einem eigentlichen Fahrrad, sondern mit einem Kinderrad unterwegs sind, müssen die Regeln über fahrzeugähnliche Geräte beachten, da Kinderräder als fahrzeugähnliche Geräte gelten (Art. 1 Abs. 10 VRV). Deren Verwendung ist in Art. 50 f. VRV geregelt (vgl. dazu das FAQ "Wo darf ich mit meinem Trottinett (Inline-Skates, Skateboards, Kinderrad....) fahren und welche Verkehrsregeln sind anwendbar?)."

Kinder, die am Strassenverkehr teilnehmen, haben die Verkehrsregeln zu beachten. So ist es z. B. nur in Ausnahmefällen gestattet, zu zweit nebeneinander Fahrrad zu fahren (Art. 43 Abs. 1 VRV).

Ein Radfahrer darf einen Fussgängerstreifen fahrend überqueren, aber er hat keinen Vortritt gegenüber dem Autofahrer. Steht der Radfahrer neben seinem Fahrrad an einem Fussgängerstreifen, ist er als Fussgänger zu betrachten und hat damit dasselbe Vortrittsrecht wie der Fussgänger.

Beispiele aus der Rechtsprechung

Kollision zwischen einem Lieferwagen und einem knapp 13 Jahre alten Mädchen auf einem Kinderfahrrad (Urteile 6B_302/2011 und 6B_313/2011 vom 29. August 2011)

Ein knapp 13 Jahre altes Mädchen war auf seinem Kindervelo auf einer Nebenstrasse unterwegs. Sie hielt einen Moment an, um die Hauptstrasse zu überqueren, dann fuhr sie los und wurde von einem Lieferwagen erfasst. Obwohl der Fahrer des Lieferwagens vortrittsberechtigt war, hätte er laut Bundesgericht das Mädchen als Kind wahrnehmen und früher reagieren sollen. Mit einem Gewicht von 30 kg und einer Grösse von 145 cm hatte es die Statur eines 11-jährigen Kindes. Das Bundesgericht zieht auch in Betracht, dass die Sicht- und Witterungsverhältnisse gut waren und es keine Anzeichen dafür gab, dass der Fahrer keine freie Sicht auf die Verzweigung gehabt hätte. Zudem war das Kind mit einem Kindervelo unterwegs, so dass der Fahrer besondere Vorsicht hätte walten lassen müssen. Er hätte die Geschwindigkeit mässigen und/oder ein akustisches Warnsignal abgeben sollen.
Aus strafrechtlicher Sicht wurde der Lenker der fahrlässigen schweren Körperverletzung schuldig gesprochen.

Kollision zwischen einer 12-jährigen Velofahrerin und einem Personenwagen (Urteile 6P.17/2004 und 6S.49/2004 vom 4. August 2004)

Eine 12-jährige Velofahrerin fuhr mit einer Gruppe von Schulkindern auf einem Radweg parallel zur Hauptstrasse zur Schule. Dieser Radweg mündet ohne Vortrittsrecht in die Hauptstrasse (ausserorts). Als die junge Velofahrerin vom Radweg auf die Hauptstrasse fuhr, stiess sie mit einem Personenwagen zusammen, der mit der erlaubten Höchstgeschwindigkeit (80 km/h) in die gleiche Richtung wie sie fuhr. Laut Bundesgericht sah und erkannte der ortskundige Lenker des Personenwagens eine Gruppe von auf dem Radweg fahrenden Kindern, als er sich dem Punkt näherte, an dem der Radweg in die Hauptstrasse mündet. Er verringerte seine Geschwindigkeit nicht, obwohl die Absicht der Kinder, die Hauptstrasse zu überqueren oder zumindest in sie einzubiegen, offensichtlich war, und er insbesondere die Örtlichkeiten kannte. In Gegenwart dieser Kinder hätte er eine erhöhte Vorsicht an den Tag legen müssen, indem er seine Geschwindigkeit hätte verringern und seine besondere Aufmerksamkeit auf deren Verhalten hätte richten müssen.
Der Lenker wurde der der fahrlässigen schweren Körperverletzung schuldig gesprochen.

Die BFU empfiehlt:

  • Führen Sie ein Kind ab etwa 3 Jahren auf einem Laufrad ans Velofahren heran.
  • Üben Sie mit ihm auf einem Platz Bremsen, Steuern oder Schalten sowie Gleichgewicht und Orientierungsfähigkeit.
  • Lassen sie Ihr Kind erst dann selbständig am Verkehr teilnehmen, wenn dies seine Fähigkeiten sowie die Strassen- und Verkehrsverhältnisse zulassen.
  • Sind unter 10-jährige Kinder gemeinsam unterwegs – zur Schule, zu Freizeitaktivitäten usw. – stehen konkrete Koordinierungsmöglichkeiten offen, z. B. indem abwechslungsweise eine Bezugsperson mehrere Kinder begleitet.
  • Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind helle oder lichtreflektierende Kleidung trägt und dass das Fahrrad Ihres Kindes nach gesetzlichen Vorschriften ausgerüstet ist.
  • Bestehen Sie darauf, dass Ihr Kind einen Velohelm (mit Bezeichnung EN 1078) benützt und diesen richtig trägt.

Weitere Informationen:

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