Porträt

On the road – mit wissenschaftlichem Seitenwagen Knapp 220 Menschen sterben in der Schweiz durchschnittlich pro Jahr bei Verkehrsunfällen, 3800 verletzen sich schwer. Der Bauingenieur Emanuele Giovannacci kämpft bei der BFU mit kühlem Kopf für mehr Sicherheit.

Im Hintergrund verzaubert die Sonne den Lago Maggiore mit einem Glitzern. Locarno zeigt sich von seiner Postkartenseite. Das BFU-Team hat aber nur Augen für die Verkehrssituation: Welche Gefahren birgt diese Strasse? Welche Massnahmen wären sinnvoll, um die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer zu verbessern? Emanuele Giovannacci prüft die Lage zusammen mit Pascal Agostinetti.

Dieser ist als Chef-Sicherheitsdelegierter der BFU der direkte Ansprechpartner für die Südschweizer Gemeinden. Für die verkehrstechnische Expertise ist Emanuele Giovannacci zuständig. Der Austausch zwischen ihnen beiden ist wichtig – denn er garantiert, dass die richtigen Empfehlungen bei den richtigen Personen ankommen, etwa bei den Gemeinden.

Unterwegs mit dem Röntgenblick für potenzielle Gefahren

Das Analysieren von Verkehrssituationen ist ein wesentlicher Teil von Emanuele Giovannaccis Job als Berater Verkehrstechnik bei der BFU. Anhand der Situation vor Ort erklärt er, wie er eine solche Analyse durchführt, die im Fachjargon Road Safety Inspection (RSI) heisst. «Zunächst überprüfe ich verschiedene Elemente, zum Beispiel die Breite der Fahrbahn, die Sichtweite an Kreuzungen, die Geschwindigkeit oder Hindernisse am Strassenrand und auf Velowegen. Danach beurteile ich die Risiken und verfasse die Empfehlungen an die Auftraggeber.» Diese Empfehlungen für Sicherheitsmassnahmen sind fachlich breit abgestützt: Zuoberst stehen die Gesetze und Verordnungen. Dazu kommen die VSS- und SN-Normen. Und selbstverständlich der umfangreiche Wissensfundus der BFU. Etwa die Infrastruktur-Sicherheitsinstrumente ISSI, welche die BFU zusammen mit dem Bund erarbeitet hat. Oder die MEVASI-Datenbank. In ihr erfasst die BFU Daten von realisierten Verkehrssicherheitsprojekten, um die Wirksamkeit von Massnahmen zu evaluieren.

Mit unabhängiger Expertise Wirkung erzielen

Wer die Strasseninfrastruktur verbessert, macht den Verkehr nachhaltig sicherer. Auf selbsterklärenden und fehlerverzeihenden Strassen passieren deutlich weniger Unfälle, weil sich die Fahrerinnen und Fahrer intuitiv richtig verhalten. Diese sogenannte Verhältnisprävention ist eine zentrale Aufgabe der BFU.

In vielen Verkehrsprojekten haben Sicherheitsanliegen gegenüber politischen und wirtschaftlichen Argumenten einen schweren Stand. So hat es Emanuele Giovannacci in früheren Arbeitsstellen oft erlebt. Die BFU hingegen sei neutral: «Hier kann ich mich zu 100 Prozent auf die rein fachlichen Aspekte der Verkehrssicherheit konzentrieren, um Menschen vor Gefahren zu schützen. Das entspricht mir, darin sehe ich den Sinn meiner Arbeit. Besonders in unserem Kanton, in dem das Auto die klare Nummer 1 ist, sehe ich viel Potenzial für Verbesserungen.» Was empfiehlt er konkret für die Strasse, die er heute analysiert? «Oberste Priorität hat die Einführung von Tempo 30. Unsere Auswertungen belegen, dass sich damit innerorts auf Tempo-50-Strecken 38 Prozent aller schweren Unfälle vermeiden lassen. Wichtig wäre auch, den Velo- vom Fussgängerverkehr zu entflechten.»

Feu sacré für die Zahlen und die Statistik

Seine Freizeit verbringt Emanuele Giovannacci am liebsten mit seiner jungen Familie. In ruhigen Stunden vertieft er sich ausgiebig in Statistiken. Nicht nur in solche, die mit seiner Arbeit zusammenhängen: «Wenn mir mein Job bei der BFU nicht gefiele, würde ich mich bei meinem Herzensclub Inter Mailand als Datenanalyst bewerben», bemerkt er lachend. Bei der BFU fühlt er sich jedoch am richtigen Platz. Denn hier kann er seine Leidenschaft für die faszinierende Welt der Zahlen einbringen, um etwas zu bewegen. «Sicherheitsmassnahmen zu legitimieren, ist beispielsweise bei Gemeinden nicht immer einfach. Die Daten und Fakten stärken meine Argumente. Oft frage ich in die Runde: ‹Wissen Sie, wie hoch die volkswirtschaftlichen Kosten von Verkehrsunfällen in der Schweiz sind?› Stille. ‹4 Milliarden Franken pro Jahr.› Unsere Arbeit hat eben auch einen wirtschaftlichen Wert. Das hat schon viele Skeptiker überzeugt.»

«Am Ende des Tages will ich mich gut fühlen.»

Bei aller nüchternen Zahlenakrobatik: In Emanuele Giovannaccis Alltag kommen auch die Kollegialität und das Zwischenmenschliche nicht zu kurz. «In unseren BFU-Teams spüre ich einen offenen Geist. Gute Ideen sind immer willkommen, gerade auch Inputs von uns Jüngeren. Überhaupt bin ich gegenüber früher viel öfter unter den Leuten. Mit meinen Schulungen verbreite ich das Know-how der BFU im Tessin. Die Rückmeldungen der teilnehmenden Ingenieure und Planerinnen bestätigen, dass wir konkret etwas bewirken.»

Dank dem hohen Homeoffice-Anteil bleibt Emanuele Giovannacci viel Zeit für das Familienleben. Nebst der Freude an seinem Job trägt auch dies viel dazu bei, dass sein Wunsch in Erfüllung geht: «Am Ende des Tages will ich mich gut fühlen.»

Machen Sie mit uns Menschen sicherer

Ein Job bei der BFU bedeutet mehr als nur arbeiten. Hier finden zupackende Profis aus unterschiedlichsten Berufen zusammen, um Unfälle wirksam zu verhüten.

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