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«Wenn ich das damals gewusst hätte, wäre ich mit Boje geschwommen» Wie die Schwimmboje Leben retten kann

David Burkhardt, BFU-Experte für Wassersicherheit und ehemaliger Leistungsschwimmer, über Gefahren im Wasser, überraschende Zahlen und ein Hilfsmittel mit grosser Wirkung.

Dave, was ist eine Schwimmboje?

Auf den ersten Blick ist sie nicht spektakulär, aber im Ernstfall kann sie den entscheidenden Unterschied machen. Eine Schwimmboje ist eine Auftriebshilfe für den See oder den Fluss. Am besten stellt man sich ein aufblasbares Kissen vor, an dem man sich festhalten kann, wenn etwas passiert. So bleibt man auch im Notfall über Wasser. Man bindet sie um die Hüfte – und zieht sie einfach hinterher. Und dank ihrer auffälligen Farbe wird man im Wasser besser gesehen. 

Viele kennen die Boje noch gar nicht – oder nehmen sie nicht mit.

Stimmt. Darum startet die BFU zum Beginn der Badesaison eine neue Kampagne mit dem Motto «Nie ohne meine Boje». Sie soll die Boje ganz selbstverständlich machen – sodass man sie immer mitnimmt, wenn man in Schweizer Seen und Flüssen eine Abkühlung sucht. 

Du warst selbst Leistungsschwimmer. Damals war die Schwimmboje noch kein Thema. Was würdest du heute anders machen?

Ehrlich gesagt: Heute würde ich sie im See oder Fluss immer mitnehmen. Als Leistungsschwimmer hatte ich das Gefühl, ich bin sicher im Wasser – ich bin schnell, ich bin ausdauernd, mir passiert nichts. Aber das Tückische ist: Ertrinken hat oft wenig mit der Schwimmkompetenz zu tun. Ein Krampf, ein Schwindelanfall, ein unerwarteter Temperaturschock oder eine unberechenbare Strömung kann jeden treffen. Die Boje ist dann etwas zum Festhalten. Entweder, um sich selbst aus der gefährlichen Situation zu befreien oder, um Zeit zu gewinnen, bis Hilfe eintrifft.

Was sagen die Unfallzahlen?

In der Schweiz passieren 9 von 10 Ertrinkungsunfällen in Seen oder Flüssen. Und was viele wohl überrascht: Die meisten Betroffenen konnten schwimmen. In der Unfallstatistik stechen nach wie vor junge Männer als besonders gefährdete Gruppe hervor. Gleichzeitig zeigt sich eine positive Entwicklung: Immer weniger Kleinkinder ertrinken. Die intensive Präventionsarbeit der letzten Jahre und Jahrzehnte scheint hier Wirkung zu zeigen. Doch leider steigt die Opferzahl bei älteren Menschen. Das hat auch damit zu tun, dass wir heute länger aktiv bleiben – auch im Wasser. Allerdings verändern sich mit dem Alter Kondition, Kreislauf und Reaktionsvermögen. Wer mit 40 problemlos im See geschwommen ist, unterschätzt vielleicht, was das mit 70 bedeutet. Darum richtet sich unsere Kampagne an alle Altersgruppen.

Wieso ist Prävention im Bereich Ertrinken so wichtig? 

Weil die Zeit für die Rettung so knapp ist. Bereits nach wenigen Minuten unter Wasser drohen bleibende Schäden. Eine Rettungskette – Notruf absetzen, Rettung organisieren, anfahren – dauert meist sehr viel länger. Das heisst: In vielen Fällen rücken die Einsatzkräfte leider nicht mehr zur Rettung aus, sondern zur Bergung. Prävention ist deshalb der wichtigste Hebel, damit Menschen nicht mehr ertrinken.  

Was hält Menschen noch davon ab, eine Schwimmboje zu benützen – und was möchtest du ihnen mitgeben?

Viele wissen gar nicht, dass es sie gibt. Andere denken, sie sei nur für Anfänger. Prinzipiell gilt: Wer in offenen Gewässern schwimmt, ist mit Boje sicherer. Ich sage immer: Man schnallt sich im Auto auch an – nicht, weil man schlecht fährt, sondern, weil man weiss, dass Unvorhergesehenes passieren kann. Die Boje ist der Sicherheitsgurt im Wasser. Es ist nur Gewöhnungssache.

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