Fokus

Eine Farbe für jeden Trail

Jährlich verletzen sich 16 000 Personen beim Mountainbiken. Ein Grund: Sie wählen Wege und Trails, die zu anspruchsvoll für sie sind. Mit der neuen Klassifikation von SchweizMobil und der BFU fällt die Wahl künftig einfacher.

Signalfarbe: Rot. An diesem Herbstnachmittag steht Benedikt Heer, Mountainbike-Experte der BFU, mit seinem Bike am Start des Gurtentrails in Bern. Sein Blick fällt auf die Tafel des ersten neu signalisierten Trails der Schweiz: ein rotes Dreieck mit einer kleinen Schlangenlinie. Das heisst, heute geht es auf einen «mittelschwierigen Style-Trail».

Benedikt Heer ist geübt, das erkennt auch ein ungeübtes Auge direkt in der ersten Steilwandkurve der Piste, wenige Meter nach dem Start. Souverän meistert er auch Sprünge und technische Passagen. «Für eine sichere Fahrt ist es entscheidend, die eigenen Fähigkeiten realistisch einzuschätzen», sagt Heer nach dem nächsten anspruchsvollen Sprung. «Mit unserer neuen Grundlage soll das künftig einfacher gelingen.»

Von grün bis violett

Die BFU hat SchweizMobil bei der Erarbeitung einer Grundlage für die Planung von Mountainbike-Infrastrukturen beraten und die Schwierigkeitsgrade weiterentwickelt. Mit ihr lassen sich Mountainbikewege künftig klar beurteilen und unterscheiden. Das forschungsbasierte Präventionswissen der BFU und Benedikt Heers sportliche Expertise sind in diese Entwicklung eingeflossen. Besonders wichtig dabei für die BFU: Sicherheitsrelevante Kriterien sind in einer fünfstufigen Schwierigkeitsskala integriert: von grün (sehr einfach) bis violett (sehr schwierig).

Jeder Trail erhält jeweils eine Farbe und ein Symbol, ausschlaggebend ist der Charakter des Trails. Einzelne schwierigere Passagen können zusätzlich signalisiert werden. «Die neuen Symbole bauen auf bestehenden Elementen auf», erklärt Benedikt Heer. Bisher wurden nämlich viele Mountaibike-Trails ähnlich wie Skipisten gekennzeichnet – blau, rot und schwarz. Neu dazugekommen sind die Farben grün und violett, die Darstellung der Schwierigkeitsgrade in geometrischen Formen sowie die spezielle Kennzeichnung der Style- und Tech-Trails mit Schlangen- resp. Zickzacklinie.

Trails künftig einfacher planen

«Die Grundlage schafft eine klare und einheitliche Basis für die Planung und Bewertung von MTB-Trails», ist Heer überzeugt. Sie definiert die zentralen Elemente jeder Trail-Art und jeder Schwierigkeitsstufe – von der Wegbreite bis zu Sicherheitsaspekten wie Absturzrisiken. Damit wird die Planung neuer Trails nachvollziehbar, vergleichbar und sicherer.

Meilenstein für die Sicherheit

Die Kantone sind gesetzlich verpflichtet, ein Mountainbikenetz festzulegen und zu planen. Die erarbeitete Grundlage von BFU, SchweizMobil und weiteren Partnern wird nun in die Vollzugshilfe für die Kantone aufgenommen und künftig bei der Planung neuer Trails berücksichtigt. «Das ist ein echter Meilenstein, denn damit wird die Sicherheit bereits bei der Planung eines Trails mitgedacht», sagt Benedikt Heer, unterdessen an der Talstation des Gurtentrails angekommen. Bestehende Trails sollen später ebenfalls klassifiziert und signalisiert werden. Benedikt Heers Fahrt ist zu Ende, seine Arbeit aber noch lange nicht. Er nimmt seinen Helm ab und ergänzt: «Für die BFU geht es nun darum, die Bikerinnen und Biker mit den neuen Schwierigkeitsgraden vertraut zu machen, damit sie künftig noch besser den für sie passenden Trail wählen können.»

Wie ist die Neuerung entstanden?

Hintergrund ist das Veloweggesetz, das seit 2023 in Kraft ist. Das Bundesamt für Strassen ASTRA muss eine Vollzugshilfe für die Kantone zur Verfügung stellen und hat SchweizMobil mit der Erstellung beauftragt. Die BFU hat SchweizMobil beraten und gemeinsam mit Suva, Swiss Cycling, Bergbahnen Schweiz, den Schweizer Wanderwegen, der Fachstelle Mountainbike (SchweizMobil) und diversen Trailbau-Unternehmen wie Allegra, Biketrails Laax, Velosolutions, Flying Metal und VAST ein System zur Klassifizierung geschaffen, welches direkt in diese Vollzugshilfe einfliesst und damit in die Planung neuer Mountainbike-Trails.

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