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Studie «Sicheres Daheim» Warum Wissen allein Stürze nicht verhindert

Viele Menschen kennen Sturzrisiken zu Hause. Trotzdem werden offensichtliche Gefahrenquellen wie zum Beispiel rutschige Teppiche oft nicht gesichert. Eine Studie der BFU und der Vaudoise Versicherungen zeigt, was Menschen wirklich zum Handeln bewegt.

Ein Kabel liegt quer im Zimmer. Die Treppe dient als Ablage, in der Dusche fehlt eine rutschfeste Unterlage. Solche Risiken fallen auf – und bleiben dennoch bestehen. Warum ist das so? Hier setzt eine neue Social-Marketing-Studie an. Die Ergebnisse zeigen, warum Menschen Sturzrisiken zu Hause kennen, aber im Alltag nicht immer dagegen vorgehen.

Bescheid wissen – und trotzdem riskieren?

Die Aussagen der 1287 Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer machen klar: Sie kennen die Sturzrisiken. Rund drei Viertel der Befragten achten sehr oder eher darauf, Sturzrisiken zu Hause zu verringern. Rund 38 % sehen bei sich selbst jedoch kein erhöhtes Risiko. Fast 39 % verbinden Sturzprävention eher mit älteren oder gebrechlichen Menschen.

Dieser Befund ist zentral: Wer das Risiko kennt, ändert sein Verhalten nicht automatisch. Entscheidend ist: Nimmt jemand die Gefahr in einer konkreten Situation ernst – und reagiert dann entsprechend? Wer im Stress auf einen Stuhl steigt, weil die Leiter im Keller steht, handelt nicht aus Unwissen. Oft siegt die bequemere Lösung. Bemerkenswert viele Jüngere berichten von Sturzerfahrungen: 58 % der 30- bis 39-Jährigen haben in den letzten fünf Jahren selbst einen Sturz erlebt oder einen Sturz im Umfeld mitbekommen. Stürze zu Hause betreffen also nicht nur Ältere.

Was Menschen zum Handeln bringt

Zeitdruck, Bequemlichkeit, Gewohnheit und fehlende Alternativen führen am häufigsten zu riskantem Verhalten. Wer Risiken nicht beseitigt, nennt oft die Kosten als Grund, Mieterinnen und Mieter die fehlende Erlaubnis für bauliche Anpassungen. Die grösste Hürde bleibt aber, dass viele ihr Risiko unterschätzen.

Die Untersuchungen machen auch sichtbar, was zum Handeln motiviert: Die Befragten wollen selbstständig wohnen, Verantwortung für andere übernehmen – oder sie erkennen die Folgen kurzer Unachtsamkeit. Ein eigener Sturz, ein Beinahe-Sturz oder ein Sturz im persönlichen Umfeld kann ebenfalls zum Auslöser werden. Doch Akzeptanz führt nicht automatisch zur Umsetzung. Eine Massnahme muss wenig Aufwand verursachen, bezahlbar sein, zur Wohnsituation passen und sich in Routinen einfügen. Besonders gut kommen einfache Massnahmen an: Stolperfallen beseitigen, Treppen freihalten, Handläufe nutzen, Licht einschalten, Teppiche sichern oder Antirutsch-Streifen anbringen. 

Zielgruppen schärfen und besser erreichen

Das Studienteam hat die Befragten nach Motiven und Handlungsbereitschaft gruppiert und fünf Motivtypen gebildet. Sie bilden ab, warum verschiedene Menschen auf unterschiedliche Botschaften ansprechen. Manche reagieren auf Ordnung und klare Ablageorte. Andere achten stark auf Kosten. Wieder andere handeln aus Fürsorge für Kinder, Angehörige oder Gäste. In einem Fachworkshop haben die BFU und die Vaudoise Versicherungen die Motivgruppen priorisiert. 

Erkenntnisse in Massnahmen übersetzen

Die Studie liefert wichtige Anhaltspunkte für eine neue Präventionskampagne, welche die Bevölkerung für Sturzrisiken zu Hause sensibilisieren wird. Durchgeführt hat sie Ecoplan in Zusammenarbeit mit der Universität Bern. Die BFU und die Vaudoise Versicherungen gleichen die Resultate und Empfehlungen mit eigenem Fachwissen ab, das unter anderem aus Unfallstatistiken, Erfahrungen aus der Präventionsarbeit und Erkenntnissen aus bisherigen Kampagnen stammt. So entstehen Botschaften und Massnahmen, die fachlich fundiert sind und im Alltag wirken.

Die gemeinsame Kampagne der BFU und der Vaudoise Versicherungen startet im zweiten Halbjahr 2027. Bis dahin prüfen die Partnerinnen, welche Botschaften, Kommunikationswege und ergänzenden Massnahmen am meisten Wirkung versprechen. Im Fokus der neu zu entwickelnden Präventionskampagne stehen konkrete und alltagsnahe Hinweise.

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