Jedes Jahr verletzen sich in der Schweiz mehr als 7000 Menschen schwer, weil sie daheim stürzen. Zum Vergleich: Im Strassenverkehr sind es jährlich rund 4000 Schwerverletzte. Um die Unfallzahlen in den eigenen vier Wänden zu senken, braucht es eine zielgerichtete Sensibilisierung und Prävention. Damit diese noch wirksamer wird, führen die BFU und die Vaudoise Versicherungen gemeinsam eine Social-Marketing-Studie durch. Ihr Ziel: Die Kooperationspartnerinnen wollen ein vertieftes Verständnis darüber gewinnen, wie die Bevölkerung Sturzrisiken wahrnimmt, welche Einstellungen und Bedürfnisse ihr Verhalten prägen und welche Barrieren einer aktiven Sturzprävention im Weg stehen.
Die Menschen lesen, nicht nur die Daten
Noch ist in der Sturzprävention zu wenig bekannt, warum Menschen Sturzrisiken im Alltag wahrnehmen und trotzdem nichts dagegen unternehmen. Genau hier setzt die aktuelle Studie an. Sie untersucht, unter welchen Bedingungen die Zielgruppe bereit ist, einfache und wirksame Massnahmen zur Sturzprävention im Alltag tatsächlich umzusetzen. Warum wird ein loses Kabel nicht weggeräumt, obwohl es zur Stolperfalle werden kann? Weshalb stapelt man Altpapier auf der Treppe und macht damit den Weg unsicher? Solche Verhaltensweisen beeinflussen das Sturzrisiko. Die Studie analysiert sie differenziert. Die Forscherinnen und Forscher fragen, wo Risiken lauern. Und darüber hinaus, warum Menschen sie in Kauf nehmen – und was sie zum Handeln bringt.
Herausfinden, was wirkt
Die Studie liefert nicht nur Erklärungen für Verhaltensweisen. Sie zeigt zusätzlich konkrete Anreize und Treiber auf, die tatsächliches Handeln auslösen. So generiert sie evidenzbasierte Bausteine für eine alltagsnahe Ansprache der Bevölkerung. Für die BFU und die Vaudoise Versicherungen bilden die Erkenntnisse die Grundlage für die Entwicklung einer gemeinsamen Präventionskampagne, die Verhaltensweisen nachhaltig verändern soll.
Wie die Studie aufgebaut ist
Die Studie beinhaltet eine qualitative Phase mit Fokusgruppen-Interviews sowie eine breite Online-Befragung. Zuerst diskutieren 32 Personen aus der Deutschschweiz und der Romandie in vier moderierten Gruppen darüber, wie sie Sturzrisiken zu Hause wahrnehmen: Was hält sie vom Handeln ab – Unterschätzung des Risikos, Bequemlichkeit, Ästhetik versus Sicherheit? Was würde sie zum Umdenken bewegen? Anschliessend befragen die Forschungspartner online 1200 Personen zwischen 30 und 65 Jahren, um die gewonnenen Erkenntnisse zu validieren. So wird sichtbar, welche typischen Einstellungen und Irrtümer in der Bevölkerung besonders häufig sind und welche Botschaften und Massnahmen im Alltag wirklich ankommen. Die Ecoplan AG führt die Social-Marketing-Studie in Zusammenarbeit mit der Universität Bern, Abteilung Consumer Behaviour & Behaviour Change, durch.
BFU und Vaudoise: Gemeinsam für mehr Sicherheit zu Hause
Unfallprävention gelingt am besten, wenn verschiedene Akteure ihr Wissen und ihre Erfahrungen teilen und Synergien nutzen. Die BFU arbeitet seit jeher mit zahlreichen Partnern zusammen – mit staatlichen Stellen, Präventionsorganisationen, Fachstellen, Verbänden und Privatversicherern. Bei der Studie «Sicheres Daheim» und bei der darauf aufbauenden, gemeinsamen Sturzpräventionskampagne bündeln die BFU und die Vaudoise Versicherungen ihre Kräfte. Diese Zusammenarbeit ist ein gutes Beispiel für eine fruchtbare Kooperation, die dazu beiträgt, das Leben der Menschen in der Schweiz sicherer zu machen.
So geht es weiter
Die Ergebnisse der Studie «Sicheres Daheim» liegen im Herbst 2026 vor. Im zweiten Halbjahr 2027 starten die BFU und die Vaudoise Versicherungen ihre gemeinsame Kampagne «Sicheres Daheim».