Fokus

Junge ticken anders

Gut gemeinte Ratschläge versagen, will man junge Erwachsene erreichen. Die BFU lässt sie deshalb in ihren neuen Präventionsvideos zu jugendspezifischem Risikoverhalten von Anfang an mitreden und mitgestalten.

Erdbeere oder Natur? Noch ist die Entscheidung einfach, welchen Geschmack für Kondome Julien auswählen soll: eine augenzwinkernde Einstiegsfrage in die neuen Präventionsvideos der BFU zum Thema jugendspezifisches Risikoverhalten im Strassenverkehr. Schwieriger ist die Entscheidung für Julien, ob er nach einer Party mit Alkoholgenuss trotzdem fahren oder auf die zickende Ex hören und aufs Auto verzichten soll. Ein Stressmoment – die neue Freundin auf dem Beifahrersitz kriegt den Disput mit.

Die BFU setzt mit den Videos

auf das Entwickeln von Ei­gen­ver­ant­wor­tung und nicht auf Ratschläge aus der Er­wach­se­nen­welt.

So sind die drei Videos aufgebaut: Beim Anschauen sind Jugendliche immer wieder mit Situationen konfrontiert, die den weiteren Verlauf der Handlung bestimmen. Über die gestellten Fragen und die damit verbundenen inneren Konflikte der Hauptdarsteller und die Rolle der anderen Beteiligten kann diskutiert werden. Danach muss eine Entscheidung getroffen werden – erst dann laufen die Filme weiter. Gedacht sind die Videos für den Unterricht an Berufsschulen, das unterstützende Begleitmaterial für Lehrpersonen ist fixfertig aufbereitet.

Umgang mit Gruppendruck lernen

Die BFU setzt mit den Videos auf das Entwickeln von Eigenverantwortung und nicht auf Ratschläge aus der Erwachsenenwelt. Denn junge Fahrzeuglenkende weisen ein spezifisches Risikoverhalten auf: Sie suchen den Wettbewerb, haben Freude am Tempo, wollen sich ein Profil geben. Im Strassenverkehr ist das gefährlich, besonders, wenn der Druck der Gruppe hinzukommt. In den Diskussionen lernen junge Menschen, mit Gruppendruck umzugehen und eigene, alternative Wege aus dieser Dynamik zu finden.

Damit das auch gelingt, waren von Projektbeginn an Jugendliche beteiligt. Gemeinsam mit einer Berufsschulklasse von Gebäudetechnikplanerinnen und -planern der Gewerbeschule Bern schrieb man die Storys und entwickelte die Charaktere. Dabei wehrten sich die Auszubildenden, im Film als saufende und kiffende Rabauken dargestellt zu werden: «Das sind nicht wir.» Besonderes Augenmerk lag auch auf der Sprache. Welche Wörter benützen die Jugendlichen von heute?

Auszubildende wehren sich dagegen,

im Film als saufende und kiffende Rabauken dargestellt zu werden.

Auch die Filmsets mussten authentisch sein. Die Party, auf der Julien mit seiner neuen Freundin tanzt, fand tatsächlich in Zweisimmen statt. Mit allem, was dazugehört; auch dem ungeplanten Besuch der örtlichen Polizei wegen der Lautstärke. Entstanden sind so drei Filme, einer aus jeder Sprachregion, die fiktive Geschichten zeigen – mit einem wahren Kern. Jeder Unfall hat sich genau so ereignet: Uhrzeit, Region, beteiligte Personen und Unfallfolgen stimmen. Authentisch ist auch die jeweilige Unfallursache: der typische Neulenkerunfall aufgrund von Müdigkeit, Geschwindigkeit oder Alkohol.

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