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Senioren und E-Bike

Seniorinnen und Senioren haben ein erhöhtes Risiko für schwere E-Bike-Unfälle. Mehr als die Hälfte der Unfälle sind Alleinunfälle.

Ausgangslage

Von hat die Zahl der schweren E-Bike-Unfälle auf den Schweizer Strassen bei Seniorinnen und Senioren stark zugenommen: 2022 gab es sieben Mal mehr Unfälle als 2012 (Abbildung 1). Auch bei den anderen Altersgruppen sind die Zahlen in diesem Zeitraum gestiegen. Insgesamt sind 18 % der schweren Personenschäden bei Seniorinnen und Senioren auf E-Bike-Unfälle zurückzuführen.

Abbildung 1: Entwicklung der schweren Personenschäden bei E-Bike-Fahrenden, nach Alter, 2012-2022 (Datenquelle: ASTRA)

Unfallgeschehen

33 % der schwer verletzten und 70 % der getöteten E-Bike-Fahrenden sind 65 Jahre und älter (Abbildung 2). Im Vergleich zu ihrem Bevölkerungsanteil sind sie damit insbesondere bei den Getöteten stark überrepräsentiert. Ein wichtiger Grund dafür: Die körperliche Verletzlichkeit nimmt mit zunehmendem Alter zu. Dies zeigt die Betrachtung der tödlichen E-Bike-Unfälle: Die 75-Jährigen und Älteren machen 42 % der getöteten E-Bike-Fahrenden aus, aber nur 9 % der Bevölkerung. 

Abbildung 2: Anteil der Seniorinnen und Senioren an der Bevölkerung sowie an den schwerverletzten und getöteten E-Bike-Fahrenden, Ø 2018–2022

Unfall- und Verletzungsrisiko

E-Bike-Fahrende haben pro zurückgelegten Kilometer ein höheres Risiko für schwere Unfälle als Lenkende von konventionellen Velos. Bei Personen ab 65 Jahren ist dieses Risiko mit dem E-Bike etwa doppelt so hoch wie mit dem Velo (Abbildung 3). Generell zeigt sich auch hier ein Alterseffekt: Mit zunehmendem Alter steigt das kilometerbezogene Risiko für schwere Unfälle sowohl bei den E-Bike- wie bei den Velofahrenden an. 

Abbildung 3: Scere Personenschäden pro 100 Mio. Personenkilometer bei E-Bike- und Velofahrenden, nach Zweiradtyp und Alter, 2021

Unfallmerkmale

Bei den schweren E-Bike-Unfällen von Seniorinnen und Senioren zeigen sich unter anderem folgende Merkmale (Abbildung 4):  

  • Männer machen mehr als 60 % der schweren Personenschäden bei E-Bike-Fahrenden ab 65 Jahren aus. Mit steigendem Alter nimmt dieser Anteil zu.
  • Über 90 % der schwer verunfallten Seniorinnen und Senioren waren mit einem langsamen E-Bike (Tretunterstützung bis 25 km/h) unterwegs. Bei den jüngeren Altersgruppen ist dieser Anteil kleiner (72 %). Diese Verteilungen dürften die Nutzung widerspiegeln.
  • Zwar verunfallen die Seniorinnen und Senioren mit dem E-Bike etwas häufiger ausserorts als die jüngeren Altersgruppen. Aber auch bei ihnen passieren absolut betrachtet die meisten Unfälle innerorts (2/3)
  • Die meisten schweren E-Bike-Unfälle passieren bei Tageslicht. Dies gilt ganz besonders für die Seniorinnen und Senioren (91 %).

Abbildung 4: Verteilung der schweren Personenschäden bei E-Bike-Fahrenden (ab 14 J.), nach ausgewählten Merkmalen und Alter, Ø 2018–2022 

Unfalltypen und -ursachen

Nach der amtlichen Unfallstatistik ist der Alleinunfall in allen Altersgruppen der häufigste Unfalltyp (Abbildung 5). Bei den Seniorinnen und Senioren fällt der Anteil noch etwas höher aus als bei den jüngeren Altersklassen: 60 % ihrer schweren Personenschäden sind auf Alleinunfälle zurückzuführen, 37 % auf Kollisionen mit anderen Verkehrsteilnehmenden. 

Abbildung 5: Verteilung der schweren Personenschäden von E-Bike-Fahrenden (ab 14 J.), nach Unfalltyp und Alter, Ø 2018–2022

Alleinunfälle

Hinsichtlich der Unfallstelle bei schweren Alleinunfällen von E-Bike-Fahrenden zeigen sich keine bedeutenden Unterschiede zwischen Seniorinnen und Senioren und den anderen Altersgruppen: Die meisten Alleinunfälle (über 60 %) passieren auf gerader Strecke. Die zweithäufigste Unfallstelle mit rund 20 % ist die Kurve (Abbildung 6). 

Abbildung 6: Verteilung der schweren Alleinunfälle von E-Bike-Fahrenden (ab 14 J.), nach Unfallstelle und Alter, Ø 2018–2022

Die Hauptursachen bei schweren Alleinunfällen von E-Bike-Fahrenden ab 65 Jahren sind laut der Polizeistatistik: Unaufmerksamkeit/Ablenkung, mangelhafte Fahrzeugbedienung und überhöhte Geschwindigkeit (Abbildung 7). Im Gegensatz zu den anderen Altersgruppen spielt Alkoholkonsum bei den Seniorinnen und Senioren eine untergeordnete Rolle.

Abbildung 7: Anteile der häufigsten Hauptursachen bei schweren Alleinunfällen von E-Bike-Fahrenden (ab 14 J.), nach Alter, Ø 2018–2022

Kollisionen

Schwere Kollisionen von E-Bike-Fahrenden aller Altersklassen passieren überproportional häufig an Knoten, d. h. an Kreuzungen, Einmündungen und Kreisverkehren. Bei den Seniorinnen und Senioren ist dieser Anteil leicht höher als bei den jüngeren Altersklassen: Bei ihnen passiert jede zweite schwere Kollision an einem Knoten (Abbildung 8).   

Bei mehr als der Hälfte aller schweren E-Bike-Kollisionen sind die Kollisionsgegner die Hauptverursacher. Besonders hoch ist dieser Anteil im Kreisverkehr (95 %). Seniorinnen und Senioren werden bei 46 % ihrer schweren Kollisionen als Hauptverursachende registriert. Dies ist mehr als bei den anderen Altersgruppen (38 %). 

Abbildung 8: Verteilung der bei Kollisionen schwer verunfallten E-Bike-Fahrenden (ab 14 J.), nach Unfallstelle, Alter und Hauptverursacher, Ø 2018–2022

Die mit Abstand häufigste polizeilich registrierte Hauptursache für E-Bike-Kollisionen ist die Vortrittsmissachtung. Sie wird mehrheitlich von den Kollisionsgegnern begangen (Abbildung 9). Auffallend ist jedoch, dass die Seniorinnen und Senioren auf dem E-Bike ebenfalls öfters den Vortritt missachten – und zwar in 43 % der Fälle. Bei den jüngeren Altersgruppen beträgt dieser Anteil 19 %. 

Abbildung 9: Anteile der häufigsten Hauptursachen bei schweren Kollisionen von E-Bike-Fahrenden (ab 14 J.), nach Alter und Hauptverursacher, Ø 2018–2022

Bei den Kollisionsgegnern von schwer oder tödlich verunfallten E-Bike-Fahrenden handelt es sich am häufigsten um Personenwagen (55 %), gefolgt von anderen Velos und E-Bikes (17 %) sowie Lieferwagen (8 %). 

Quellen

Inhalt folgt.

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