Weltweit ist in der Unfallforschung unbestritten: Je schneller man fährt, desto wahrscheinlicher und schwerwiegender sind Verkehrsunfälle. Mit zunehmender Geschwindigkeit steigt die Menge der Informationen, welche Fahrzeuglenkende verarbeiten müssen; gleichzeitig nimmt die zur Verfügung stehende Reaktionszeit ab. Ausserdem ist der Bremsweg länger und die Kollisionsgeschwindigkeit höher.
Eine höhere Höchstgeschwindigkeit führt erfahrungsgemäss dazu, dass auf den Strassen höhere Geschwindigkeiten gefahren werden. Die Folgen sind mehr und schwerere Unfälle. Denn mit zunehmender Fahrgeschwindigkeit steigt das Unfallrisiko nicht linear an, sondern exponentiell.
Deutlich mehr Tote und Schwerverletzte wären die Folge
Anhand von empirischen Modellen lassen sich die Folgen einer höheren Durchschnittsgeschwindigkeit berechnen. Würde auf den heutigen Tempo-120-Abschnitten auf Autobahnen durchschnittlich 10 km/h schneller gefahren, wäre jährlich mit mehr als doppelt so vielen Todesopfern zu rechnen. Auf Ausserortsstrassen wäre die Entwicklung des Unfallgeschehens bei einer Erhöhung der Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h auf 100 km/h besonders verheerend. Diese wissenschaftlich fundierten Erkenntnisse gelten aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens insbesondere auch für die Schweiz.
Bei 96 Verkehrstoten und 1398 Schwerverletzten ausserorts sowie 17 Toten und 141 Schwerverletzten auf Autobahnen im Jahr 2025 wären also deutlich mehr Tote und Schwerverletzte die Folge. Neben menschlichem Leid verursachen schwere Verkehrsunfälle ausserdem beträchtliche volkswirtschaftliche Kosten.
Grosse Mehrheit spricht sich für die aktuellen Tempolimits aus
Repräsentative Bevölkerungsbefragungen der BFU zeigen: Die aktuellen Tempolimits auf Auto-bahnen und ausserorts werden gesellschaftlich mitgetragen. Fast drei Viertel der Befragten geben an, 120 km/h auf Autobahnen (eher) zu befürworten. Die Akzeptanz für 80 km/h ausserorts ist gar höher.
Verkehrssicherheit ist kein Selbstläufer
Die Unfallzahlen auf Schweizer Strassen haben sich während vieler Jahre positiv entwickelt. Dies ist auf griffige Massnahmen zurückzuführen, zu denen auch die aktuellen Höchstgeschwindigkeiten gehören. Die Zahl der Verkehrstoten ist seit den 1970er-Jahren von über 1700 Personen pro Jahr bis auf 187 im Jahr 2019 gesunken. Seither ist sie jedoch zwischenzeitlich wieder gestiegen und stagniert nun. Ähnliches lässt sich bei der Zahl der Schwerverletzten beobachten. Es bleibt daher eine grosse Herausforderung, bis 2030 das vom Bundesamt für Strassen (ASTRA) formulierte Ziel von weniger als 100 Verkehrstoten und 2500 Schwerverletzten im Schweizer Strassenverkehr zu erreichen.
Die Strasseninfrastruktur passt nicht zu höheren Tempolimits
Die heute geltenden Höchstgeschwindigkeiten sind auf die Schweizer Verhältnisse und Strasseninfrastruktur abgestimmt. Seit der Einführung von 120 km/h im Jahr 1985 ist das Autobahnnetz bautechnisch auf diese Höchstgeschwindigkeit ausgelegt worden. Des Weiteren führt eine Erhöhung des Tempolimits auf Autobahnen und Ausserortsstrassen zu höheren Geschwindigkeitsdifferenzen zwischen den unterschiedlichen Verkehrsteilnehmenden. Dies wirkt sich ebenfalls negativ auf die Verkehrssicherheit aus.
Tempoerhöhung sendet falsches Signal aus
Eine Erhöhung der Höchstgeschwindigkeiten auf Autobahnen und Ausserortsstrassen gefährdet die Verkehrssicherheit und ist gesellschaftlich nicht erwünscht. Aus Sicht der BFU ist klar: Der Fokus muss darauf liegen, die Verkehrssicherheit weiter zu stärken. Mit einer Erhöhung der Tempolimits ist dies nicht möglich. Im Gegenteil: Ein drastischer Anstieg der Unfälle, der Verletzten und der Getöteten wäre die Folge. Eine Erhöhung des Tempolimits auf Autobahnen und Ausserortsstrassen würde daher ein falsches Signal für die Unfallprävention aussenden und die Verkehrssicherheitsziele des Bundes gefährden.
Service
PDF herunterladen