Rätsel lösen im Escape Room

Rätsel lösen im Escape Room
Frühzeitig beraten, um menschliches Leid aufgrund von Versäumnissen zu vermeiden: So lautet das Credo der BFU-Sicherheitsdelegierten. Jedes Jahr werden zahlreiche Empfehlungen ausgesprochen. Blick in einen Escape Room in Romont mit David Oberson.

Die Zeit scheint an diesem Nachmittag in Romont stillzustehen. Nur der Glockenschlag vom Kirchturm ist zu hören. Doch hinter den Häuserfronten des Hauptorts des Distrikts Glâne im Kanton Freiburg sind fleissige Köpfe am Werk. So auch David Oberson, Projektleiter und Sicherheitsdelegierter der BFU.

Der bodenständige, 47-jährige Familienvater ist in dieser fast 5300 Einwohner zählenden Stadt aufgewachsen. Er kennt sie wie seine eigene Hosentasche. Den roten Faden seines abwechslungsreichen beruflichen Werdegangs bildet das Baugewerbe. Nach seiner Tätigkeit als BFU-Sicherheitsdelegierter der Stadt Freiburg übernahm er dieses Amt Ende 2017 in Romont und widmet rund zehn Prozent seiner Zeit der Sicherheit in Gebäuden und um diese herum. Dabei stützt er sich insbesondere auf die geltenden Normen und die Empfehlungen der BFU.

«Die Beratung und die anschliessende Ergebniskontrolle führen manchmal zu Verstimmungen bei jenen, die etwas mehr Nachgiebigkeit gewohnt sind. Aber ich weiss den Gemeinderat hinter mir», fügt er mit einem Schmunzeln an. Die Sicherheit in den Aussenanlagen fällt ebenfalls in seinen Zuständigkeitsbereich. So wurden beispielsweise erst kürzlich Schilder mit Verhaltensregeln auf den Spielplätzen der Gemeinde aufgestellt.

Ein geheimnisvoller Turm

Das auf einem Hügel gelegene Romont kann sich eines Schlosses und einer von mittelalterlichen Türmen gesäumten Stadtmauer rühmen. In einem der Türme, dem «Tour de Fribourg», befindet sich seit 2018 ein Escape Room. Und hier macht der Begriff Escape (Flucht) tatsächlich Sinn. Denn die Mitspielerinnen und Mitspieler – über 2000 seit der Eröffnung – versuchen, unter dem wachsamen Auge des Spielleiters, der sich in seinem Refugium versteckt hält, durch Teamarbeit ein Rätsel zu lösen. Eine Stunde lang zerbrechen sie sich den Kopf darüber, wie man dem Gefängnis entkommen kann. Nach Ablauf dieser Zeit ertönt der Gong, und der Hausherr «befreit» die Teilnehmer. Für eine willkommene Abwechslung ist aufgrund der örtlichen Gegebenheiten auf jeden Fall gesorgt.

Die Sicherheit steht auf dem Spiel

Aufgrund eines tödlichen Unfalls, der sich vergangenen Winter in einem polnischen Escape Room ereignet hatte, beschäftigten sich Medien und Regionalpolitiker mit der Frage der Sicherheit in den Freiburger «Fluchträumen». Im Auftrag der Gemeinde, die Eigentümerin des vom Tourismusbüro verwalteten Standorts ist, führte David Oberson eine Analyse der Sicherheit in besagtem Turm durch.

Die Analyse des Turms, der 2009 gemäss den damals geltenden SIA-Normen renoviert wurde, ergab, dass einige Verbesserungen erforderlich sind, um die aktuellen Normen zu erfüllen: Sicherheitsglas anstelle von Floatglas, Doppelhandläufe für die Innentreppen und modifizierte Barrieren. Da der Turm nur zeitweise und unter Aufsicht genutzt wird, steht die Umsetzung dieser Empfehlungen derzeit noch an. In gewissen Fällen sind auch finanzielle und architektonische Faktoren (z. B. Respekt vor Kulturgütern) zu berücksichtigen.

«Die Analyse des Turms ergab, dass einige Verbesserungen notwendig sind, um die aktuellen Normen zu erfüllen.»

«Ein Beratungsgespräch mit dem lokalen BFU-Sicherheitsdelegierten vor der Einrichtung oder Umgestaltung eines Escape Rooms ist sicherlich von Vorteil, um die geltenden Sicherheitsstandards kostengünstig umsetzen zu können», empfiehlt David Oberson. Darüber hinaus steht er bereit, um systematisch vor der Inangriffnahme kommunaler Projekte und nicht erst bei deren Überprüfung einbezogen zu werden – dies sowohl aus Effizienz- als auch aus Sicherheitsgründen.

Momentan zeigen sich die überwiegend aus der Region stammenden Jünger von Sherlock Holmes von diesem aussergewöhnlichen Ort begeistert. Und setzen sich schlicht über den Slogan auf dem Poster hinweg: «Garde ton calme, la curiosité est un très vilain défaut» (bleib cool, Neugier ist ein böser Fehler).

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