Was haben der Zustand der Strasse, die Witterung und die Jahreszeit gemeinsam? Sie gehören zu den äusseren Bedingungen, die sich auf die Verkehrsteilnehmenden und die Fahrt auswirken können. Erfahren Sie mehr darüber.
Äussere Bedingungen in Kürze
- Zu den äusseren Bedingungen gehören unter anderem die Strassen- und Sichtverhältnisse, die Witterung und zeitliche Faktoren.
- Äussere Bedingungen können die Sicht- aber auch die Strassenverhältnisse beeinflussen.
- Passen Sie Ihre Fahrweise und die Geschwindigkeit an die äusseren Bedingungen an.
Gesetzestext
Im Gesetz gibt es nicht eine explizite Regelung zu den äusseren Bedingungen. Vielmehr finden sich diverse Vorschriften in verschiedenen Erlassen.
Eine zentrale Vorschrift ist Art. 32 Abs. 1 Strassenverkehrsgesetz (SVG), wonach die Geschwindigkeit stets den Umständen anzupassen ist, namentlich den Besonderheiten von Fahrzeug und Ladung, sowie den Strassen‑, Verkehrs- und Sichtverhältnissen.
Strassenverhältnisse: Zustand und Infrastruktur
Der Zustand der Strasse kann durch mangelhafte Strassen (z. B. Belagsschäden, Unebenheiten) oder Witterungsverhältnisse (z. B. Schnee, Eis oder Regen) beeinträchtigt sein. Diese Faktoren beeinflussen, wie sich das Fahrzeug auf der Strasse verhält. So fährt es sich auf einer schneebedeckten Strasse anders als auf einer trockenen. Zudem besteht auf nasser Fahrbahn die Gefahr von Aquaplaning (Abrutschen der Reifen auf einer Wasserfläche ohne Griffigkeit am Boden).
Die Strasseninfrastruktur umfasst alle baulichen und technischen Elemente des Strassenraums – von der Fahrbahn (z. B. Asphalt oder Schotter) über Bauwerke (z. B. Poller) und Signalisation bis hin zur Beleuchtung.
Verkehrsverhältnisse: Situation auf der Strasse
Damit ist insbesondere die konkrete Verkehrssituation (z. B. Verkehrsaufkommen, Mischverkehr) gemeint. Gerade bei dichtem oder schwer überblickbarem Verkehr, muss besonders vorsichtig gefahren werden. Dasselbe gilt, wenn sich Kinder im Strassenverkehr aufhalten, da diese die Gefahren noch nicht richtig einschätzen können.
Sichtverhältnisse: Was beeinflusst die Sicht?
Die Sichtverhältnisse umfassen unter anderem den Strassenverlauf und die Lichtverhältnisse (z. B. Nacht oder Dämmerung). Die Sicht kann aber auch durch Witterungsverhältnisse (z. B. Schneefall, Starkregen, Nebel oder Sonneneinblendung) beeinflusst werden.
Witterung: Regen, Schnee, Nebel und Sonne
Die Witterungsverhältnisse beinhalten insbesondere Schneefall, Regen, Nebel oder Sonneneinstrahlung. Sie haben einen Einfluss auf die Strassen- und Sichtverhältnisse und können diese beeinträchtigen. So macht Nebel die Fahrbahn feucht und starke Sonneneinstrahlung kann die Fahrzeuglenkenden blenden.
Zeitliche Faktoren: Tageszeit, Wochentage und Jahreszeit
Tageszeit, Wochentag und Jahreszeit beeinflussen die Sicht, den Strassenzustand und das Verkehrsaufkommen. In der Nacht oder bei Dämmerung ist die Sicht schlechter als am Tag. Im Winter kann die Strasse glatt sein, im Herbst kann Laub die Fahrbahn glitschig machen. Und je nach Wochentag hat es mehr oder weniger Verkehr auf den Strassen (z. B. Feierabend- oder Wochenendverkehr).
Welche Bedeutung haben äussere Bedingungen für die Unfallprävention?
Äussere Bedingungen haben einen grossen Einfluss auf die Sicherheit im Strassenverkehr. Gerade bei Regen, Schnee oder Eis kann sich das Fahrzeug anders verhalten und die Reaktionszeit verkürzen. Deshalb gilt: Geschwindigkeit reduzieren, genügend Abstand halten und besonders aufmerksam fahren. Bei sehr schlechten Bedingungen kann es sicherer sein, das Fahrzeug stehen zu lassen oder die Fahrt zu verschieben. Auch die Streckenplanung ist wichtig. Wer schwierige Bedingungen frühzeitig berücksichtigt und ernst nimmt, trägt wesentlich dazu bei, Unfälle zu verhindern.
Was sind die Konsequenzen der äusseren Bedingungen?
Kommt es zu einem Unfall, weil die Fahrzeuglenkerin oder der Fahrzeuglenker die Fahrweise nicht an die äusseren Umstände angepasst hat, kann dies zu einem Straf- und/oder Administrativverfahren führen. Die Sanktionen reichen von Busse bis Freiheitsstrafe und von der Verwarnung bis zum Führerausweisentzug. Zudem drohen versicherungsrechtliche Folgen. Im schlimmsten Fall kann die Versicherung später ganz oder teilweise Geld zurückfordern.
Beispiel aus der Praxis
Aquaplaning
Frau A. fuhr bei Regen mit rund 100 km/h auf der Autobahn. Beim Überholen verlor sie wegen Aquaplaning die Kontrolle über ihr Fahrzeug und kollidierte mit einem Fahrzeug auf der rechten Spur. Frau A. musste den Führerausweis für drei Monate abgeben. Das Bundesgericht hielt fest: Aquaplaning ist ein bekanntes Risiko. Fahrzeuglenkende müssen deshalb bei starkem Regen und nasser Fahrbahn damit rechnen und ihre Geschwindigkeit entsprechend reduzieren. Wer die Geschwindigkeit nicht anpasst, riskiert, die Kontrolle über das Fahrzeug zu verlieren (Bundesgerichtsurteil 1C_135/2022).
Sonne
Herr A. fuhr auf einer ihm bekannten Strecke auf einen Fussgängerstreifen zu. Dabei wurde er stark von der Sonne geblendet. Er klappte zwar die Sonnenblende herunter, fuhr aber weiter, obwohl er fast nichts mehr sah. Deshalb übersah er einen Fussgänger, der sich bereits auf dem Fussgängerstreifen befand. Es kam zu einer Kollision, bei der sich der Fussgänger verletzte. Herr A. wurde wegen grober Verkehrsregelverletzung zu einer bedingten Geldstrafe und einer Busse verurteilt. Das Bundesgericht hielt fest: Wer stark geblendet wird, muss die Geschwindigkeit sofort reduzieren oder anhalten, wenn die Sicht nicht mehr ausreicht. Das gilt besonders, wenn eine Gefahrenstelle wie ein Fussgängerstreifen naht (Bundesgerichtsurteil 6B_1318/2019).
Mehr Informationen
Allgemeine Präventionstipps finden Sie unter Strasse & Verkehr – Verkehrsunfälle vermeiden | BFU. Konkrete Tipps zum Fahren im Winter finden Sie unter Autofahren im Winter – defensiv und mit Winterreifen | BFU.
Mehr Informationen finden Sie unter anderem in der Sammlung von Gerichtsentscheiden auf der BFU-Website.