SPRACHE
>
>
bfu-Report Nr. 76 – Belastungsreduzierende Bandensysteme im Eishockey
bfu-Report Nr. 76 – Belastungsreduzierende Bandensysteme im Eishockey

Eishockey ist eine Sportart mit hohem Verletzungsrisiko. Männliche Athleten weisen die höchste Inzidenzrate auf, wobei sie sich am häufigsten Verletzungen an den unteren Extremitäten (vor allem Knie) und an den oberen Extremitäten (Schulter) zuziehen. Grosse Aufmerksamkeit erfahren zudem erlittene Hirnverletzungen, weil diese zu Langzeit-folgen führen können. Häufige Verletzungsmechanismen sind Kollisionen zweier Spieler, der Sturz eines Spielers auf das Eis oder der Anprall eines Spielers an der Bande.

Bandensysteme (Bande, Handlauf, Scheibe) umschliessen das Eishockey-Spielfeld. Während gewisse Eigenschaften der Banden durch entsprechende Standards vorgegeben sind, gibt es derzeit keine konkreten Vorgaben, welche Performance ein Bandensystem aufweisen muss, um das Verletzungsrisiko möglichst zu begrenzen. Bandensysteme mit modernem Design zeichnen sich dadurch aus, dass sie beim Aufprall eines Spielers etwas nachgeben können, herkömmliche Systeme hingegen sind relativ starr.

In diesem Projekt wurde untersucht, ob Eishockey-banden mit neuem Design die biomechanische Belastung eines Spielers beim Anprall reduzieren. Die Performance verschiedener Eishockeybanden wurde in Versuchen mit einem dynamischen Pendel sowie in Versuchen mit Crashtest-Dummys analysiert.

Es wurde gezeigt, dass Bandensysteme mit neuem Design gegenüber den bisherigen Systemen eine grössere Flexibilität aufweisen. Die Banden werden bei einem Anprall weiter ausgelenkt, ihre effektive Masse bleibt bezogen auf die Masse eines Spielers insbesondere bei einem Kopfanprall jedoch weiterhin hoch. Dementsprechend werden die biomechanischen Belastungen eines Spielers durch alle neuen Systeme zwar reduziert, doch ist aufgrund der Massendifferenz auch zukünftig mit Verletzungen durch den Anprall an die Banden zu rechnen. Die Versuche zeigen zudem, dass das System mit der grössten Auslenkung nicht zwangsläufig auch dasjenige System ist, das zur geringsten biomechanischen Belastung führt. Es besteht kein linearer Zusammenhang zwischen Auslenkung und biomechanischer Belastung.

Zusammenfassend kann das neue Design der Bandensysteme als grundsätzlich positiv beurteilt werden. Nachteile sind nicht zu erkennen, doch die Vorteile scheinen noch nicht ausgeschöpft zu sein. Eine Weiterentwicklung der Bandensysteme ist anzustreben, um die Belastungen der Spieler weiter zu reduzieren.

DOI Nummer

10.13100/bfu.2.338.01

Authors

Kai-Uwe Schmitt
Markus Muser
Hansjürg Thüler
Othmar Brügger
Yes