Politische Position

Handzeichenzwang an Fussgängerstreifen?

​Die gelegentlich zu lesende Behauptung, das Handzeichen am Fussgängerstreifen sei abgeschafft worden, entspricht nicht den Tatsachen.​ Das Bundesgericht hat bereits 1964 (!) eine Handzeichenpflicht verneint, das heisst, eine Handzeichenpflicht hat es gar nie gegeben. Trotzdem taucht in Politik und Medien immer wieder die Forderung nach «Wiedereinführung des Handzeichens» auf. Per Gesetz soll den Fussgängern ein Zwang zum Handzeichen auferlegt werden. Dies würde das heutige Vortrittsrecht der Fussgänger aushöhlen.

Selbstverständlich ist es nicht verboten, ein Handzeichen zu geben. In vielen Situationen kann dies hilfreich sein. Die Kommunikation zwischen den einzelnen Verkehrsteilnehmern (beispielsweise durch Blickkontakt) ist generell empfehlenswert.

Die Einführung des obligatorischen Handzeichens hingegen ist aus Sicht der BFU, Beratungsstelle für Unfallverhütung ein Rückschritt für die Verkehrssicherheit. Es ist zu befürchten, dass diese Änderung zu einer Zunahme von Unfällen mit Kindern und älteren Menschen führen würde.

Folgende beiden Hauptargumente sprechen für die Beibehaltung der geltenden Regelung:

  • Das Handzeichen mag zwar auf den ersten Blick überzeugend erscheinen. Es ist aber erwiesen, dass Kinder aus entwicklungspsychologischer Sicht nicht fähig sind, Handzeichen situationsgerecht zu geben oder diese korrekt zu interpretieren. Sie können sie weder Distanzen noch Geschwindigkeiten von Fahrzeugen richtig einschätzen. Deshalb haben die Verkehrsinstruktoren der Polizei und die Verkehrssicherheitsfachleute von TCS und BFU ganz bewusst beschlossen, Kindern das Handzeichen nicht beizubringen, und auch nicht auf Handzeichen von Automobilisten zu achten. Es wäre zu gefährlich. Alle Kinder lernen im Verkehrsunterricht, am Fussgängerstreifen zu warten, bis die Fahrzeuge anhalten. Erst wenn die Räder wirklich ganz stillstehen, sollen die Kleinen über die Strasse gehen.
  • In Europa gelten weitgehend die gleichen Verkehrsregeln. Diese Standardisierung ist ein Vorteil für alle Verkehrsteilnehmer. Sie müssen im Ausland keine neuen Regeln lernen. Eine Sonderregelung in der Schweiz würde zu Missverständnissen und einer Reduzierung der Verkehrssicherheit führen. Bundesrat und Parlament haben sich denn auch folgerichtig bereits mehrmals gegen die Einführung des obligatorischen Handzeichens ausgesprochen.

Bereits in der geltenden Regelung hat die Fussgänger kein Recht, ohne Beachtung des Verkehrs den Fussgängerstreifen zu betreten: Die Fussgänger dürfen vom Vortrittsrecht nicht Gebrauch machen, wenn das Fahrzeug bereits so nahe ist, dass es nicht mehr rechtzeitig anhalten könnte. (VRV Art. 47 Abs.2).

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