Medienmitteilung | 18. Oktober 2018

Prämienrabatte für vorsichtige Fahrer Finanzielle Anreize könnten Schweizer Strassen sicherer machen

Wer umsichtig fährt, soll weniger Prämien für die Motorfahrzeugversicherung bezahlen: Die BFU, Beratungsstelle für Unfallverhütung zeigt in einer neuen Forschungsarbeit, wie solche finanzielle Anreize gestaltet werden sollten, damit sie sich auf die Sicherheit im Schweizer Strassenverkehr möglichst positiv auswirken. Entsprechende Pilotprojekte würde die BFU begrüssen.

Sie werden international immer beliebter: Motorfahrzeugversicherungen, die das persönliche Fahrverhalten berücksichtigen. Doch in der Schweiz sind solche Prämienmodelle heute – im Gegensatz zu Ländern wie Italien oder den USA – noch wenig verbreitet. Die BFU ist überzeugt, dass derartige Policen das Potenzial haben, die Verkehrssicherheit nachhaltig zu beeinflussen. Vorbildlich fahrende Versicherte kämen zudem in den Genuss tieferer Prämien, und auch für die Versicherungsunternehmen gäbe es Vorteile: Weil für die Prämienberechnung GPS- und andere Sensordaten verwendet würden, könnte es beispielsweise einfacher werden, Betrugsfälle aufzudecken.

Transparente Ziele führen zum Bonus

In einer neuen Forschungsarbeit zeigt die BFU, wie solche Versicherungsmodelle gestaltet sein sollten, damit sie sich günstig auf die Verkehrssicherheit auswirken. Demnach sind «Bonus-Systeme» wirksamer als «Malus-Systeme». Sicheres Fahrverhalten soll also belohnt werden. Was sicheres Fahren bedeutet, sollten Versicherungen einfach und transparent definieren. Angepasste Geschwindigkeit oder genügend Abstand zu voranfahrenden Fahrzeugen sind mögliche Kriterien. Für die Versicherten muss eine Selbstkontrolle, ob ihr Fahrverhalten den Vorgaben entspricht, jederzeit möglich sein. Zudem sollten Versicherungen die Belohnungen zuverlässig und zeitnah abgeben, etwa als direkte Prämienrabatte oder in Form von Bonuspunkten, die sich später in ein Geschenk umtauschen lassen.

Um solche Prämienmodelle noch sicherheitswirksamer zu machen, könnten sie mit Fahrerassistenzsystemen kombiniert werden – sodass im Fahrzeug beispielsweise ein Warnton zu hören ist, wenn die erlaubte Höchstgeschwindigkeit überschritten wird.

Pilotprojekte, um die Wirkung zu testen

Einige internationale Studienresultate, welche die BFU analysiert hat, sind vielversprechend für die Unfallprävention. Insgesamt sind die bisherigen Studien allerdings zu wenig aussagekräftig, um den Nutzen finanzieller Anreize abschliessend zu beurteilen. Es ist deshalb empfehlenswert, auch in der Schweiz Pilotprojekte durchzuführen und die Sicherheitswirkung zu evaluieren.

Bei positivem Verlauf wäre es aus Sicht der Unfallprävention sinnvoll, wenn sämtliche Versicherungsmodelle auf dem Markt korrektes, umsichtiges Fahrverhalten honorieren würden. Wäre dies flächendeckend der Fall, wären auch wenig sensibilisierte Automobilisten – etwa solche, die oft zu schnell unterwegs sind – gezwungen, in ein solches Prämienmodell einzutreten. Allerdings müssten für eine lückenlose Einführung noch wichtige Fragen geklärt werden, zum Beispiel betreffend Akzeptanz solcher Prämienmodelle bei den Versicherten und Datenschutz.

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