Interview

Tauchen in den Ferien Dank Expertentipps fit fürs Unterwasser-Abenteuer

Tauchen in den Ferien
Wer in den Ferien tauchen geht, denkt an warmes, glasklares Wasser, bunte Riffe und beeindruckende Fischschwärme. Doch sowohl Tauchanfängern als auch Fortgeschrittenen können Fehler unterlaufen. Antonio Cifelli ist leidenschaftlicher Taucher und bei der BFU Experte für diese Sportart. Im Interview verrät er, wie man sich optimal auf das Tauchen im Ausland vorbereitet.

Was sind die Besonderheiten beim Tauchen im Meer?

Die Weite des Meeres, die viel farbigere Unterwasserwelt im Vergleich zum Süsswasser, die Tierwelt – all das ist faszinierend. Meerwasser ist salzig. Fürs Tauchen bedeutet dies, dass die Bleimenge angepasst werden muss. Ausserdem können Taucherinnen und Taucher den Nassanzug verwenden, da das Wasser warm ist.

Ist Tauchen im Meer einfacher als in einem See?

Nicht unbedingt. Zwar ist es in den tropischen Meeren wärmer und die Sichtweiten sind besser. Aber im Meer gibt es Strömungen, die wir in der Schweiz in den Seen so nicht haben. Bei einer starken Strömung ist der Luftverbrauch höher und die Tauchgruppe kann getrennt werden. Zudem gibt es Tiere, die giftig sind oder Stacheln haben und schmerzhafte Verletzungen verursachen. Schliesslich können viele Tauchgänge eine Dekompressionskrankheit verursachen. Daher gilt es zu bedenken, dass in gewissen Regionen die Spitäler und Dekompressionskammern weit entfernt sind.

Muss ich mich schon zu Hause vorbereiten?

Auf jeden Fall. Es ist ratsam, regelmässig in den Seen zu tauchen. Zudem ist es wichtig, verschiedene Situationen zu üben: die Maske leeren, eine Signalboje setzen, Luft spenden. Dann ist es empfehlenswert, das Material auf Vollständigkeit und Funktionstüchtigkeit zu kontrollieren. Wenn nötig, sollten die Atemregler von einem Tauchshop gewartet werden. Schliesslich gehört auch der Gang zum Taucharzt dazu. Die meisten Tauchbasen und Tauchschiffe verlangen ein ärztliches Tauchtauglichkeitszeugnis, das nicht älter als ein Jahr ist.

Ist es sinnvoll, in einer Ferienwoche einen Grundkurs zu absolvieren?

Eine Woche ist ausreichend, um die Grundfertigkeiten zu erlernen und die ersten Tauchabenteuer zu erleben. Wenn eine Person Mühe mit einer Übung hat, sind die Tauchschulen normalerweise bereit, der Schülerin oder dem Schüler zu helfen und zusätzliche Tage oder Tauchgänge an den Kurs anzuhängen. Ratsam ist es, wenn man mindestens die Theorie und die Poollektionen in der Schweiz macht. Es ist einfacher, wenn man sich Tauchphysik oder -medizin in der eigenen Sprache erklären lassen kann. Am Ferienort hat man den trockenen theoretischen Teil bereits hinter sich und kann sofort im Meer tauchen gehen und mit etwas Glück bereits bei den Übungstauchgängen aufregende Meerestiere sehen.

Soll ich das Material lieber hier mieten und mitnehmen?

Wichtig ist, dass das Material in einem guten Zustand ist und einwandfrei funktioniert. Wenn man es in der Schweiz mietet, weiss man bereits vor der Abreise, was man hat. In der Feriendestination muss man sich manchmal mit dem begnügen, was noch vorhanden ist. Heute stellen aber die meisten Tauchbasen gutes und oft neues Material zur Verfügung. Besser als Mieten finde ich aber immer noch, eine eigene Ausrüstung zu besitzen. Wer nur in den Ferien taucht, kann sich zumindest Maske, Schnorchel, Flossen, den Computer und die Atemregler kaufen. Auch eine Signalboje ist unverzichtbar, die ist heutzutage bei den Tauchgängen Pflicht.

Haben Sie auch schon brenzlige Situationen erlebt?

Auf einem Schiff auf den Malediven hatten zwei Taucherinnen einen Dekompressionszwischenfall. Eine Frau musste auf dem Schiff Sauerstoff atmen und konnte für den Rest der Safari nicht mehr tauchen. Die andere Frau musste in die Dekompressionskammer eingeliefert werden und konnte ihre Heimreise erst ein paar Tage später antreten. Ansonsten ist mir oder einem Tauchpartner von mir bis jetzt nichts Schlimmes passiert.

Gut zu wissen

Immer wieder verletzen sich Schweizerinnen und Schweizer beim Tauchen im Ausland, pro Jahr rund 200. Druckbedingte Verletzungen des Trommelfells sind am häufigsten; sie machen rund einen Drittel der statistisch erfassten Tauchverletzungen aus. Dahinter folgen offene Wunden sowie Stauchungen und Zerrungen. Zudem ist in den Jahren 2000 bis 2017 durchschnittlich eine Person aus der Schweiz beim Tauchen im Ausland tödlich verunglückt.

Mit sorgfältiger Planung und Reisevorbereitung lässt sich das Unfallrisiko in den Tauchferien minimieren. Die Ausrüstung muss stimmen, die Reiseapotheke alles Notwendige beinhalten. Beim Tauchen selber ist in kritischen Situationen die richtige Reaktion gefragt. Für all diese Schritte haben die BFU, die Schweizerische Gesellschaft für Unterwasser- und Hyperbarmedizin (SUHMS), die Fachstelle für Tauchunfallverhütung (FTU) und der Schweizer Unterwasser-Sport-Verband (SUSV) ihre Tipps in einer der Broschüre «Tauchen in den Ferien – Gut Luft» zusammengefasst.

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