SPRACHE
Rechtsvorbeifahren auf Autobahnen

​Der Bundesrat will das Rechtsvorbeifahren auf Autobahnen erlauben. Eine entsprechende Änderung der Verkehrsregeln befindet sich zurzeit in Vernehmlassung. Die bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung hat Sicherheitsbedenken und rät deshalb von einer Anpassung der Verkehrsregelverordnung (VRV) ab.

Durch die Erlaubnis, rechts vorbeizufahren, wird sich der Spurwechsel von der linken auf die rechte Spur schwieriger gestalten. Im Gegensatz zum Spurwechsel nach links sind sich hier die Autofahrenden ein von hinten kommendes Fahrzeug nicht gewohnt. Die dadurch entstehenden unsicheren Situationen könnten nur durch sorgfältige Definition, Einführung und Überwachung der Regel entschärft werden. Folgende grundlegende Anforderungen können indessen nicht erfüllt werden:

  • Die Intention der neuen Regel ist den Autobahnbenutzern bekannt (Verkehrsfluss).
  • Der Inhalt ist verständlich (Definition vorbeifahren vs. überholen).
  • Die erwünschte Handlung ist umsetzbar (maximal erlaubte Geschwindigkeitsdifferenz).
  • Die korrekte Handhabung ist kontrollierbar und wird kontrolliert.

 

Aus Sicht der bfu ist es nicht realistisch, dass sich insbesondere ausländischen Autolenkenden diese Anforderungen einfach vermitteln lassen, auch nicht mit Kampagnen. Denn für sie wird diese Situation immer ungewohnt bleiben, da im europäischen Ausland die Erlaubnis für das Rechtsvorbeifahren auf Autobahnen nicht gilt.

Deshalb rät die bfu von einer Anpassung der VRV ab. Sie empfiehlt, diese lediglich im Sinne des Bundesgerichtsurteils vom 3. März 2016 (142 IV 93) anzupassen. Danach ist Rechtsvorbeifahren auf der Autobahn bei parallelem Kolonnenverkehr erlaubt, d. h. wenn es auf der linken und/oder mittleren Überholspur zu einer derartigen Verkehrsverdichtung kommt, dass Fahrzeuge auf der Überholspur faktisch nicht mehr schneller vorankommen als diejenigen auf der Normalspur.

Im Rahmen der Vernehmlassung wird nun sogar über eine grundsätzliche Aufhebung des Rechtsüberholverbots diskutiert. Doch damit würde das Unfallrisiko auf Autobahnen nochmals zusätzlich erhöht. Aus Sicht der bfu ist die Beibehaltung des Rechtsüberholverbots eine zentrale Massnahme für die Verkehrssicherheit, die nicht in Frage gestellt werden soll.

Januar 2019

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