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Sportverletzungen nach groben Fouls
Sportverletzungen nach groben Fouls

​​Debatte über rechtliche Konsequenzen

Immer wieder kommt es im Spitzen- und Breitensport durch grobe Fouls zu schweren und langwierigen Verletzungen. Sportler, die einen Gegenspieler foulen, werden je nach Fall mit Spielsperren und Bussen bestraft. Ihnen drohen aber immer öfter auch strafrechtliche Konsequenzen. Am BFU-Forum Sport diskutierten Fachleute über die Rolle der Justiz im Sport: Ist sie für die Sicherheit notwendig? Oder sind Verletzungen ein Risiko, das Sportler eingehen müssen?

Schwere Unfälle und harte Fouls können das Leben von Sportlerinnen und Sportlern einschneidend verändern. Verletzungen sind oft monate- oder jahrelang zu spüren. Zunehmend wird nach einem solchen Ereignis ein Schuldiger gesucht; nach Fouls können strafrechtliche Konsequenzen drohen.

Erst im März dieses Jahres bestätigte das Bundesgericht die Verurteilung eines Freiburger Amateurfussballers, weil er einen Gegenspieler mit gestrecktem Bein gefoult hatte. Der Schiedsrichter hatte es bei einer gelben Karte belassen; die Lausanner Richter hingegen sahen eine fahrlässige Körperverletzung und verhängten eine bedingte Strafe. Dieses und ähnliche Urteile verunsichern viele Spitzen- und Breitensportler. Am BFU-Forum Sport in Bern haben deshalb am Mittwoch Sportler und Experten darüber debattiert, wie viel Justiz im Sport notwendig ist.

Spielregeln und Justiz ergänzen sich

In allen Bereichen der Unfallprävention ist das Enforcement wichtig: die konsequente Durchsetzung wirksamer Regeln und Gesetze. So sei es auch im Sport, erläuterte BFU-Direktor Dr. Stefan Siegrist am Forum. Die Auslegung und Überwachung der Spielregeln sei dabei zentral. «Sofortige Sanktionen, etwa eine rote Karte, sind für die Unfallprävention tatsächlich wirksam. Heute bleiben aber zu viele schwere Fouls ungeahndet», so Siegrist. Zumindest im Schweizer Profifussball werde sich dies mit der Einführung des Videobeweises in der kommenden Super-League-Saison ändern, sagte der Generalsekretär des Schweizerischen Fussballverbandes SFV, Robert Breiter. Er stimmte zu, dass die Ahndung schwerer Fouls noch zuverlässiger werden müsse.

Strafurteile haben gemäss BFU-Direktor Siegrist eine Signalwirkung. Justiz und Sportverbände müssten jedoch im Gleichschritt handeln: Wie streng die Regeln im Spiel ausgelegt werden und wie streng die Justiz urteilt, sollte derselben Logik folgen. «Wenn dies gewährleistet ist, können auch Sportler zuverlässiger einschätzen, was im Bereich des Erlaubten liegt und was nicht», zeigte sich Siegrist überzeugt.

Schwere des Fouls für Juristen entscheidend

«Der Sport hat Eigenheiten, die auch das Recht berücksichtigen muss», sagte der Anwalt und Sportrechtsexperte Dr. Martin Kaiser. Die Grenze sieht er dort, wo «in grober und rücksichtsloser Weise, ohne Chance der Regeleinhaltung» ein Sportler verletzt wird. Ausschlaggebend sei dabei immer die Schwere des Fouls, nicht die Schwere der Verletzung. Denn auch ein regelkonformer Körperkontakt könne zu Verletzungen führen.

Viele Verletzungen bei Körperkontakt

Verletzungen in Spielsportarten stagnieren in der Schweiz auf hohem Niveau. Laut Statistiken passieren über 40 % der Verletzungen beim Körperkontakt mit einem Gegenspieler; im Fussball sind es gemäss einer Studie der Suva sogar 53 %. Hansjürg Thüler, Leiter der BFU-Abteilung Sport und Bewegung, erklärte, warum es sich lohnt, die Anzahl schwerer Fouls einzudämmen: «Wenn Spieler seltener verletzt sind, bleiben sie langfristig gesünder und fitter. Gerade technisch versierte Spieler werden geschützt, fallen seltener aus. Das macht den Sport auch für die Zuschauer attraktiver.» Letztlich könnten der Sport und die Gesellschaft auch einiges an Unfallkosten sparen und damit gesamthaft profitieren, so Präventionsexperte Thüler. 

Welche Rolle die Justiz bei der Sicherheit im Sport spielen soll, bleibt gemäss den Experten eine offene Frage – eine zu aktive Justiz könnte dem Sport schaden, eine zu passive aber ebenso.




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