SPRACHE
Rechts abbiegen bei Rot

​​​Es besteht ein gewisser Druck auf die Behörden, den Velofahrenden an Kreuzungen punktuell zu erlauben, trotz Rotlicht rechts abzubiegen. Eine Analyse der bfu zeigt nun, dass durch das Rechtsabbiegen bei Rot möglicherweise neue gefährliche Situationen entstehen können. ​Die bfu steht dieser Massnahme daher skeptisch gegenüber. Die Freigabe sollte nur dort erfolgen, wo die Sicherheitsanliegen der betroffenen Strassenbenützenden berücksichtigt sind.

Viele Städte und Gemeinden wollen das Radfahren fördern. Der Druck auf die Behörden ist seit dem Pilotversuch in Basel gross, den Velofahrenden das Rechtsabbiegen bei Rot zu erlauben. Durch diese Freigabe entstehen aber neue Unfallrisiken für Fussgänger, Velofahrende, Motorfahrzeuglenkende und Trams.

 

Die bfu hat nun sicherheitstechnische Kriterien und Empfehlungen erarbeitet, um die neu entstehenden Risiken soweit wie möglich zu reduzieren. Die folgenden Punkte sollten vor einer Neusignalisation beachtet werden: 

  • Der Radstreifen vor dem Lichtsignal sollte mindestens 1,2 m breit sein.
  • Für wartende Velos muss vor dem Haltebalken genügend Raum reserviert werden. 
  • Die Velofahrenden müssen die Fussgänger sehen, die den Fussgängerstreifen betreten möchten; es darf keine Sichthindernisse haben.
  • Wenn es auf der Strasse, in die eingebogen wird, Tramschienen hat und kein Radstreifen vorhanden ist, sollte das Abbiegen bei Rot nicht erlaubt werden.
  • Weist der Fahrstreifen, in den eingebogen wird, eine hohe Fahrzeugfrequenz auf, sollte die Freigabe nur dann erfolgen, wenn ein Radstreifen vorhanden ist.
  • Die zu- und wegführende Strasse sollte kein Gefälle aufweisen, das mehr als 4 % beträgt.
 
 
 

Die bfu empfiehlt den Behörden zudem, der Bevölkerung das neue Signal mittels einer Informationskampagne zu erläutern und deutlich zu machen, dass Verkehrsteilnehmende mit Grün (z. B. Fussgänger) weiterhin vortrittsberechtigt sind. Auch sollten die Velofahrenden darauf hingewiesen werden, dass ohne ein Freigabesignal an der Ampel (siehe Bild) das Rechtsabbiegen bei Rot weiterhin strafbar ist.

Die zusätzliche Forderung, Rechtsabbiegen bei Rot auch für Motorfahrzeuge zuzulassen, lehnt die bfu ab, weil dies zu gefährlichen Kollisionen auf den Fussgängerstreifen führen dürfte. Auch Konflikte grosser Motorfahrzeuge mit Radfahrern (toter Winkel!) sind zu erwarten. Studien belegen, dass in Deutschland und in den USA, wo diese Regelung zugelassen ist, Kollisionen zwischen Fussgängern und kreuzenden Verkehrsströmen und Fussgängern zunehmen.

 
rechtsabbiegen bei rot 
 
 
Juli 2017

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