SPRACHE
Via sicura: Die jüngsten Velofahrer haben das Nachsehen 

bfu bedauert Entscheidungen der verkehrspolitischen Kommission des Nationalrats

Künftig sollen Kinder jeden Alters auf allen Strassen – auch Hauptstrassen –  ohne Begleitung Fahrrad fahren dürfen. So zumindest hat es eine Mehrheit der verkehrspolitischen Kommission des Nationalrats (KVF-N) an ihrer heutigen Sitzung beschlossen. Für die bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung ist diese Entscheidung unverständlich, zumal die Kommission auch die Einführung einer Velohelmpflicht für Kinder bis zum vollendeten 14. Lebensjahr abgelehnt hat. Der Ständerat hatte sich im Juni deutlich für ein solches Obligatorium ausgesprochen.

Velofahrende Kinder bedürfen eines besonderen Schutzes. Der Velohelm trägt dazu bei, den Kopf des velofahrenden Kindes im Falle eines Sturzes gegen schwere oder tödliche Verletzungen zu schützen. Denn das Risiko einer Kopfverletzung ist bei jüngeren Kindern überdurchschnittlich hoch. Gründe dafür sind die noch weichen und verletzlichen Schädelknochen und die grössere Masse des Kopfes im Verhältnis zur Kraft der Nackenmuskulatur. Leider hat sich die KVF-N im Rahmen ihrer Beratungen des Verkehrssicherheitsprogramms Via sicura gegen ein Helmobligatorium für Kinder bis zum vollendeten 14. Lebensjahres ausgesprochen.

Diese Entscheidung ist umso unverständlicher, als die Mehrheit der KVF-N gleichzeitig beschlossen hat, Kinder jeden Alters sollen auf allen Strassen –  also auch auf verkehrsintensiven Hauptstrassen – ohne Begleitung velofahren dürfen. Aus Sicht der Verkehrssicherheit ist diese Entscheidung verhängnisvoll:  Kinder bis ins Alter von 8-10 Jahren weisen zu grosse entwicklungsbedingte Defizite auf, um komplexe Verkehrssituationen richtig erfassen zu können. So ist zum Beispiel das Gleichgewicht eines Kindes mit 6 Jahren noch wenig stabil, und es kann noch Schwierigkeiten haben, ein fahrendes von einem stehenden Fahrzeug zu unterscheiden.

Es bleibt zu hoffen, dass der Nationalrat der Mehrheit seiner Kommission nicht folgen und die beiden Beschlüsse korrigieren wird. Im Juni dieses Jahres hatte sich der Ständerat – nach einem eindringlichen Appell von Bundesrätin Doris Leuthard – deutlich mit 22 zu 11 Stimmen für ein Helmobligatorium für Kinder ausgesprochen. Denn es ist Aufgabe der Politik, geeignete Massnahmen zu treffen, um dem besonderen Schutzbedürfnis der Kinder gerecht zu werden.

Weitere Informationen

Kontakt

Ja