SPRACHE
Senioren am Steuer

Rund 35 Personen sterben pro Jahr durch Fehler von Fahrzeuglenkenden, die über 65 Jahre alt sind. Zur Senkung des Unfallrisikos empfiehlt die bfu eine optimale medizinische Unterstützung der Senioren durch Ärzte und Apotheker zum Erhalt der Fahreignung, Selbstbeurteilungstests für Senioren, eine Probefahrt mit einem Fahrberater und die vermehrte Anordnung von eingeschränkter Fahrerlaubnis. Die Wirkung der ärztlichen Fahreignungsabklärungen in der Schweiz soll untersucht werden.

Das Risiko der Senioren für die übrigen Verkehrsteilnehmenden darf jedoch nicht überschätzt werden – das höchste Unfallrisiko pro gefahrenen Kilometer weisen nach wie vor die Junglenker auf. Nur bei 15 % der Todesfälle und 13 % der Schwerverletzten waren Senioren als PW-Lenkende an Strassenverkehrsunfällen beteiligt.

Die bfu ist daran, die Auswirkungen der gesetzlich geregelten, ärztlichen Fahreignungsabklärung für Senioren näher zu untersuchen. In ausländischen Studien werden Zweifel am Nutzen für die Verkehrssicherheit geäussert. Heute gilt in der Schweiz die gesetzliche Regelung, Senioren ab 70 Jahren regelmässig zur ärztlichen Kontrolle aufzubieten. Das Parlament hat aber im Herbst 2017 beschlossen, den Beginn der obligatorischen Kontrolluntersuchungen vom 70. auf das 75. Altersjahr heraufzusetzen.

Im geltenden System ist zentral, dass Ärzte ihre Doppelrolle umfassend wahrnehmen: Einerseits sollten sie – zusammen mit anderen medizinischen Fachpersonen – die sichere Mobilität der Senioren so lange wie möglich erhalten. Mit Medikamenten, Hilfsmitteln oder sonstigen Behandlungen können sie alters- und krankheitsbedingten Beeinträchtigungen entgegenwirken und so die Verkehrssicherheit erhöhen. Anderseits müssen die Hausärzte dem Strassenverkehrsamt empfehlen, einem Senior oder einer Seniorin die Fahrberechtigung zu entziehen, wenn die Fahreignung nicht mehr gegeben ist. Ergibt die medizinische Untersuchung keine klare Empfehlung, soll eine Kontrollfahrt mit einem Experten Klarheit bringen.

Eine nicht zu unterschätzende Rolle für die Verkehrssicherheit spielt die eigene Einschätzung der Fahreignung durch die Senioren. Gut durchdachte, standardisierte Selbstbeurteilungstests können eine nützliche Entscheidungsgrundlage für die Senioren und ihr persönliches Umfeld sein. Älteren Lenkerinnen und Lenkern empfiehlt die bfu zudem eine freiwillige Probefahrt mit einem Fahrberater, das heisst einem Fahrlehrer mit Zusatzausbildung. Er ist in der Lage, die Fahrkompetenz professionell einzuschätzen.

Schliesslich empfiehlt die bfu auch, dass die heute bereits mögliche Anordnung von eingeschränkter Fahrerlaubnis häufiger eingesetzt wird. Das heisst, ein Fahrer / eine Fahrerin darf nur am Tag (z. B. bei Nachtsehschwäche) oder nur in einem beschränkten, persönlich gut bekannten Rayon ein Fahrzeug lenken.

Oktober 2017

Ja