Motorradfahren erfreut sich grosser und zunehmender Beliebtheit, ist jedoch nicht ungefährlich. Mittlerweile sind rund 3 von 10 Verkehrsopfern Motorradfahrer. Pro Fahrkilometer ist das Risiko, schwer oder tödlich verletzt zu werden, für Motorradfahrer rund 20-mal höher als für PW-Insassen. Das bfu-Forum hat bestätigt, dass eine erfolgversprechende Unfallprävention wissensbasierte Massnahmen erfordert, die sowohl wirksam als auch wirtschaftlich und praktisch umsetzbar sind.
"Die bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung und die Vertreter der Motorradfahrer sind sich einig, dass es zu viele Töffunfälle mit Schwerverletzten und Getöteten gibt. Diese Einsicht hat dazu geführt, dass aus dem früheren Gegeneinander heute in vielen Fragen ein Miteinander geworden ist", stellte bfu-Direktorin Brigitte Buhmann erfreut fest. Ein solcher Mosaikstein der konstruktiven Zusammenarbeit war auch das heutige 11. bfu-Forum zum Thema "Motorradsicherheit" in Bern. Der zunehmende Anteil schwer verunfallter Motorradfahrer am gesamten Unfallgeschehen ist dabei nicht etwa ein schweizerisches Phänomen. Die Problematik beschäftigt beispielsweise auch das Vereinigte Königreich, wie Professor Andrew Parkes, Chief Scientist beim britischen Transport Research Laboratory, in seinem Gastreferat ausführlich darlegte.
Die bfu wird sich – zusammen mit Partnern – der Motorradsicherheit in den nächsten Jahren mit einem Schwerpunktprogramm vertieft annehmen. Mit dem Sicherheitsdossier Motorradverkehr (2009) liegt jetzt eine wissenschaftliche Analyse vor, welche die Risikofaktoren beschreibt und anhand konkreter Massnahmen zeigt, wie die Sicherheit von Motorradfahrern im Strassenverkehr erhöht werden könnte. Etwa ein Drittel aller schweren Motorradunfälle sind Alleinunfälle, die häufig auf nicht angepasste oder überhöhte Geschwindigkeit zurückzuführen sind. Bei den doppelt so häufigen Kollisionen hingegen sind die Automobilisten in zwei Dritteln der Fälle zumindest mitschuldig, wobei vor allem das Vortrittsrecht missachtet wird. Um das Unfallgeschehen substanziell zu reduzieren, genügt es also nicht, nur bei den Motorradfahrern anzusetzen. Die bfu schlägt deshalb konkrete Handlungsempfehlungen in sechs Problembereichen (Motorradfahrer, Motorrad, Lenker der Kollisionsfahrzeuge, Kollisionsfahrzeuge, Infrastruktur und protektive Ausrüstung) vor.
Ein wichtiges Element – neben verbesserter Infrastruktur und genügender Kontrolldichte – ist dabei die Sensibilisierung. Die zweite Welle der neuen Präventionskampagne "Slow Down. Take it Easy" wird im nächsten Frühjahr gezielt die Töfffahrer ansprechen. Dabei droht Engel Franky Slow Down nicht etwa mit dem Mahnfinger, sondern ruft die Motorradfahrer auf sympathische Art dazu auf, einen Gang runter zu schalten. Die Kampagnenbotschaft, die Geschwindigkeit den Strassen-, Verkehrs- und Sichtverhältnissen sowie den eigenen Fähigkeiten anzupassen, wird erfreulicherweise auch von motosuisse (Vereinigung der Schweizer Motorrad- und Roller-Importeure) aktiv unterstützt.
Links
SVV/bfu-Kampagne für angepasste Geschwindigkeit
Sicherheitsdossier Motorradverkehr