In der Schweiz sind jährlich rund 90 getötete und über 5000 verletzte Motorradfahrer zu beklagen. Das entspricht jedem vierten schweren Personenschaden im gesamten Strassenverkehr! Mit dem "Sicherheitsdossier Motorradverkehr" der bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung liegt nun eine wissenschaftliche Analyse vor, die Risikofaktoren beschreibt und anhand konkreter Massnahmen zeigt, wie die Sicherheit von Motorradfahrern im Strassenverkehr erhöht werden könnte.
Etwa ein Drittel aller schweren Motorradunfälle sind Alleinunfälle, die häufig auf nicht angepasste oder überhöhte Geschwindigkeit zurückzuführen sind. Bei den weniger schweren, aber doppelt so häufigen Kollisionen hingegen sind die Automobilisten in zwei Dritteln der Fälle zumindest mitschuldig, wobei vor allem das Vortrittsrecht missachtet wird. Um das Unfallgeschehen substantiell zu reduzieren, genügt es also nicht, nur bei den Motorradfahrern anzusetzen. Die bfu, das Schweizer Kompetenzzentrum für Unfallprävention, schlägt deshalb konkrete Handlungsempfehlungen in sechs Problembereichen vor. Die wichtigsten Beispiele:
- Motorradfahrer: Es ist wichtig, Motorradfahrer bereits in der Grundausbildung für ihr sehr hohes Unfallrisiko – verbunden mit oft schwersten Verletzungen – zu sensibilisieren. Die grösste präventive Wirkung ist von einem defensiven Fahrstil zu erwarten. Sicheres Verhalten kann hier weniger durch edukative Mittel als vielmehr durch Kontrollen und Sanktionen erwirkt werden.
- Motorrad: Motorräder werden vor allem wegen ihrer schmalen Silhouette oft zu spät erkannt oder ganz übersehen. Spezielle Tagfahrlampen und Seitenmarkierungsleuchten könnten Abhilfe schaffen. Antiblockiersysteme (ABS) und Integralbremssysteme (CBS) bringen einen bedeutenden Sicherheitsgewinn; sie sollten – beispielsweise durch Prämienreduktionen – gefördert werden.
- Lenker der Kollisionsfahrzeuge: Das fehlende Bewusstsein vieler Automobilisten für die Eigenschaften der Motorräder muss in der Grund- und Weiterausbildung geschult werden. Punkto Fahreignung ist in erster Linie die Sehkraft der Personenwagenlenker regelmässig zu überprüfen.
- Kollisionsfahrzeuge: Ihre Erkennbarkeit ist durch spezielle Tagfahrleuchten zu verbessern. Form und Steifigkeit der Fahrzeugaufbauten sind verstärkt im Sinne des Partnerschutzes zu gestalten.
- Infrastruktur: Auch hier besteht Verbesserungspotential, da die heutigen Strassen vor allem für Vierrad-Fahrzeuge ausgelegt sind. Weil motorisierte Zweiräder aber weit früher an die Grenzen ihrer Stabilität stossen, müssen sogenannte "forgiving roads" geschaffen werden: Menschliches Fehlverhalten soll durch eine adäquate Infrastruktur verhindert oder die Folgen zumindest abgeschwächt werden (z.B. punktueller motorradgerechter Unterfahrschutz bei Leitschranken).
- Protektive Ausrüstung: Eine qualitativ hochwertige Schutzausrüstung (Helm und Bekleidung) soll propagiert und vor dem Kauf auch bei Testfahrten ausprobiert werden können.
Das im Auftrag des Fonds für Verkehrssicherheit FVS erstellte "Sicherheitsdossier Motorradverkehr" kann als Zusammenfassung und als Vollversion heruntergeladen werden:
Zusammenfassung (Forschungsnews)
Vollversion Sicherheitsdossier