Die Fähigkeit, im Strassenverkehr ein Fahrzeug sicher zu lenken, kann durch viele Faktoren kurzfristig eingeschränkt sein: Alkohol, Drogen, Medikamente, Müdigkeit und Ablenkung sind zusammen für rund einen Drittel aller Unfälle mitursächlich. Mit dem Sicherheitsdossier "Fahrfähigkeit" der bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung liegt nun eine wissenschaftliche Analyse vor, die Risikofaktoren beschreibt und anhand konkreter Massnahmen zeigt, wie das Unfallgeschehen reduziert werden könnte.
Die Zahlen sprechen für sich: Rund 15% aller Unfälle werden durch Alkohol mitverursacht, 10% durch Fahren in übermüdetem Zustand, 8% durch Ablenkung sowie 5% durch Drogen und Medikamente. Es besteht also zweifellos Handlungsbedarf. Im Sicherheitsdossier "Beeinträchtigte Fahrfähigkeit von Motorfahrzeuglenkenden" werden zur Reduktion solcher Unfälle edukative, polizeiliche, fahrzeugtechnologische und infrastrukturelle Massnahmen diskutiert. Je nach erwarteter Wirksamkeit, Kosten-Nutzen-Verhältnis und Umsetzbarkeit werden mögliche Aktionen als mehr oder weniger empfehlenswert eingestuft.
Was heisst das konkret? Nehmen wir das Beispiel Ablenkung. Lenker werden durch Stimuli ausserhalb des Fahrzeuges (z.B. auffällige Personen, attraktive Panoramen, Werbung) und innerhalb des Autos (z.B. Mobiltelefone, Navigationssysteme, Radio/CD) abgelenkt. Dazu kommen Beschäftigungen wie Essen und Trinken, Rauchen, Selbstpflege, Richten von Sitzen und anderes mehr. Auch wenn jede einzelne dieser Ablenkungsursachen mit maximal 4% nur einen geringen Zeitanteil an der Fahrdauer ausmacht, erhöht sich das Unfallrisiko während dieses Fahrens in abgelenktem Zustand deutlich. Und zwar um einen Faktor von anderthalb (Essen) über drei (Bedienen der Tastatur eines mobilen Gerätes) und vier bis fünf (Telefonieren am Steuer) bis zu neun (Ergreifen eines in Bewegung geratenen Gegenstandes).
Die bfu, das Schweizer Kompetenzzentrum für Unfallprävention, hat im vorliegenden Dossier Handlungsempfehlungen zur Reduktion der auf Ablenkung basierenden Fahrunfähigkeit respektive der daraus resultierenden Unfälle erarbeitet. Empfehlenswerte Massnahmen sind – beispielsweise – Rüttelstreifen in der Fahrbahnmitte von gefährlichen Strassenabschnitten oder Navigationssysteme, die nur im Stillstand bedient werden können. Denkbar wäre auch eine Ausdehnung des Werbeverbots im Strassenraum oder die Lancierung einer Kampagne gegen Ablenkung im Strassenverkehr.
Das im Auftrag des Fonds für Verkehrssicherheit FVS erstellte Sicherheitsdossier "Beeinträchtigte Fahrfähigkeit von Motorfahrzeuglenkenden" kann als Zusammenfassung und als Vollversion heruntergeladen werden:
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In den letzten drei Jahren sind in dieser bfu/FVS-Reihe bereits Sicherheitsdossiers zu den Themen "Schutzprodukte", "Fahrradverkehr" und "Fussverkehr" erschienen.