Rund 300'000 Menschen verunfallen jährlich alleine in der Schweiz beim Sporttreiben so schwer, dass sie ärztlich behandelt werden müssen – Tendenz steigend. Die Schweizerische Beratungsstelle für Unfallverhütung bfu hat sich zum Ziel gesetzt, diese Entwicklung nicht nur aufzuhalten, sondern die Zahl der Getöteten und Schwerverletzten im Sport bis 2010 zu senken. Doch das ist nur möglich, wenn der Unfallprävention in der Sportpolitik mehr Platz eingeräumt wird.
Rund 300'000 Menschen verunfallen jährlich alleine in der Schweiz bei sportlichen Aktivitäten so schwer, dass sie ärztlich behandelt werden müssen. 10'000 unter ihnen müssen länger als eine Woche im Spital bleiben. 135 verlieren gar ihr Leben. Sportunfälle kosten die Schweizer Volkswirtschaft jährlich mindestens zwei Milliarden Franken. Trotz dieser erschreckenden Zahlen führt die Unfallprävention im Sport ein Schattendasein. Sportpolitik wird in erster Linie – und fast ausschliesslich – mit Sportförderung gleichgesetzt. Doch die wachsende Anzahl sportlich Aktiver und der Wandel in der Art des Sporttreibens wirft auch neue Probleme auf: Die Sportfachleute der bfu befürchten für die kommenden Jahre nicht nur einen Anstieg der Anzahl Unfälle, sondern auch eine Zunahme der Verletzungsschwere.
Die bfu hat sich zum Ziel gesetzt, diese Entwicklung nicht nur aufzuhalten, sondern die Zahl der Getöteten im Sport bis zum Jahr 2010 um rund 30 Prozent und die Zahl der Schwerverletzten um rund 10 Prozent zu senken. Die bfu hat alle Voraussetzungen, dazu einen substanziellen Beitrag zu leisten: Forschung und Wissen sowie die nötige nationale und internationale Vernetzung. Doch solange Politik und Bevölkerung der Meinung sind, dass Verletzungen zum Sport gehören und deshalb akzeptiert werden müssen, sind der Sportunfallverhütung enge Grenzen gesetzt. Die bfu fordert deshalb, dass der Unfallprävention und den Erkenntnissen der Sportunfallforschung in der Schweizer Sportpolitik mehr Platz eingeräumt wird. Es ist höchste Zeit, dass der Sportunfallverhütung gleichviel Gewicht beigemessen wird wie der Förderung des Sporttreibens.
Ein Interview zur Problematik mit Jörg Thoma, bfu-Vizedirektor und Leiter des Bereichs Forschung und Beratung (zur freien Verfügung): http://www.bfuaktuell.ch/thoma